Wanderung um Lütte ++ Gartenkresse ++ Wiesenburger Tropfen

#86・
MAZ Raus aufs Land
104

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
als ich noch nicht viel wusste über Brandenburg, schob mich ein Lied eher leise in die Richtung dieses Landes. Der Song wirkte so arglos und sein Titel nahezu beliebig, dass mir damals noch nicht klar gewesen ist, wohin die Reise für mich ging. Ich saß in einem Büro, um Daten zu erfassen, es war ein Nebenjob, nicht interessant, aber notwendig, und immer war das Radio an. Wenn dieses Lied lief, und es lief sehr oft, war die Belegschaft im Büro sofort gespalten: Ist ein bisschen albern, sagten die einen, aber die meisten, auch ich, fanden es bezwingend, der Text war comic-haft, die Melodie unwiderstehlich: “Kling Klang” von Keimzeit trat in mein Leben.
Dass Keimzeit aus Brandenburg kommen, genauer: aus Lütte bei Bad Belzig, das damals noch kein feines “Bad” im Namen trug, wusste ich nicht, weiß es aber heute umso besser, denn die Band beglückt mich immer wieder, nicht nur mit ihrem Repertoire, das sehr viel mehr und deutlich anderes als diesen Hit “Kling Klang” in seinen Schränken hat. Auch den Sänger und Gitarristen Norbert Leisegang und seinen Bruder Hartmut am Bass habe ich inzwischen kennengelernt. Sehr nette Leute. Daran habe ich gedacht, als neulich eine Mail ins Postfach flog: Keimzeit bringen am 18. Februar ein neues Album heraus.
Ich möchte das zum Anlass nehmen, um Ihnen in diesem Newsletter eine Tour durch Lütte vorzustellen – weil Lütte als ein Ortsteil von Bad Belzig jedoch ziemlich klein ist, geht die Route über das Dorf deutlich hinaus. Es ist eine Form von Pilgerfahrt, zu den Wurzeln von Keimzeit, doch bitte erwarten Sie nicht, dass Ihnen die Musiker persönlich begegnen, denn es wohnen nicht mehr alle Band-Mitglieder dort.
Diesem blauäugigen Mythos, den Helden des Rock'n'Roll auf offener Straße zu begegnen, bin ich immer wieder nachgelaufen, doch er hat sich nie erfüllt. Vor 30 Jahren war ich, weil ich in der Nähe einen Onkel habe, nach Seattle, Nordwestküste der USA, gereist. Es war die hohe Zeit von Nirvana und Pearl Jam, beide Bands sind groß geworden in der Stadt, ich habe hinter jeder Ecke Eddie Vedder oder Kurt Cobain vermutet, die Köpfe dieser Bands, die Taktgeber in meinem Alltag, denn musikalisch waren sie für mich in jenen Jahren konkurrenzlos.
Dieses Pilgertum setze sich fort in Weilheim, Oberbayern, wo Freunde von mir wohnten, und eben nicht nur Freunde, sondern auch die Band The Notwist, die in der Garage Lieder schreibt, die so entrückt und ruhig sind, dass ich sie Kurt Cobain gewünscht hätte, um runterzukommen von Drogen und Depression. The Notwist jedenfalls sind Helden für mich, auch deshalb, weil sie einen Millionendeal mit einem Telefonanbieter abgelehnt haben, der einen ihrer Songs für seine Werbung kaufen wollte. Ich bin durch Weilheim gegangen, habe die Band gesucht, doch auch in diesem Falle ging ich leer aus.
Fahren wir also nicht nach Seattle, nicht nach Weilheim, sondern nach Lütte im Landkreis Potsdam-Mittelmark, einem Wallfahrtsort der Rockmusik.
In diesem Newsletter erfahren Sie außerdem, warum einige Immergrüne – der Name für besonders hartleibige Pflanzen – im Garten an sehr kalten, sonnigen Wintertagen ihre Blätter einrollen. Und weil wir nun von “Immergrünen” reden, diesem deutschen Wort für Evergreens, möchte ich sie animieren, an sehr kalten, aber dunklen Wintertagen das Lied “Kling Klang” zu hören. Denn von seiner Kraft, die Tage in einen bunten Comic zu verwandeln, hat es nichts verloren.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Herzliche Grüße,
Ihr Lars Grote
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Von Lütte zur Springbachmühle

Unser Ausflug der Woche führt und nach Lütte in Potsdam-Mittelmark. Foto: Bärbel Kraemer
Unser Ausflug der Woche führt und nach Lütte in Potsdam-Mittelmark. Foto: Bärbel Kraemer
Nach Lütte geht es also, einem Ort des Rock'n'Roll in Brandenburg (lesen Sie oben nach im Editorial), Landkreis Potsdam-Mittelmark, Ortsteil von Bad Belzig. Wir starten unseren 11,5 Kilometer langen Rundweg, für den wir etwa drei Stunden benötigen, am Friseur in Lütte, wo sich ein Parkplatz befindet. Er liegt an der Kreuzung Achtrutenweg/Chausseestraße. Unsere Tour beginnen wir auf der Chausseestraße (Landesstraße 102) in Richtung Süden.
Sobald wir Lütte verlassen haben, nehmen wir rechts die kleine Straße mit Namen Sandweg, bald zweigt dort links die Lübnitzer Straße ab, ihr folgen wir ins Grüne, rechts Ackerland, links Wald. So geht es immer weiter, bis wir nach guten 1,5 Kilometern links abbiegen, der hügelige Charakter dieser Gegend kommt hier herrlich zum Tragen, bald wandern wir vom Laub- in den Nadelwald. An der Bank mit schöner Aussicht biegen wir scharf nach rechts ab, folgen dem Weg in einem großen Linksbogen, in dessen Verlauf wir über den Fredersdorfer Bach wandern. Der Weg läuft nunmehr wieder geradeaus, wir stoßen auf die Hermann-Lielje-Straße, die wir überqueren, gleich dahinter sehen wir den Springbach, wir biegen rechts ab und folgen ihm bis zur Reha-Klinik “Hoher Fläming”.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Der Hermann-Lielje-Straße folgen wir ab der Klinik ein paar Meter nach links, bevor wir abermals links in den Wald abbiegen. Dem Waldweg folgen wir, samt scharfer Links-, dann Rechtsbiege in Richtung Springbachmühle, kurz vor der Mühle führt der Weg uns über eine Wiese. An der Mühle steht ein stattliches Fachwerkhaus, an dessen Flanke in guten und vor allem warmen Zeiten ein Biergarten geöffnet hat.
Wir lassen die Mühle hinter uns und folgen dem Mühlenweg nach rechts, gelangen schnell an die Landstraße und biegen hier scharf links auf einen Waldweg ab, der uns immer geradeaus zurück zu unserem Ausgangspunkt nach Lütte führt.
Tipp: Mit dieser Wegbeschreibung samt Wanderkarte haben Sie alles, was Sie für diese Tour benötigen. Wer weitere Details sucht, findet sie auf www.komoot.de
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Brandenburg für Genießer

Gartenkresse ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kressen innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse. Foto: Manfred Segerer/Imago
Gartenkresse ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kressen innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse. Foto: Manfred Segerer/Imago
Wenn wir in diesem Newsletter so viel über die Brandenburger Musiker von Keimzeit reden, dann sollten wir auch bei der Kulinarik konsequent sein: Wir reden von Keimlingen, von der Saat, die aufgeht. Und von Kresse – wie züchten und verwenden wir sie?
Sie schmeckt besonders gut auf einem Butterbrot, auf Frischkäse oder im Salat und ist ein fester Bestandteil der bekannten Frankfurter Grünen Soße. Darüber hinaus enthält Kresse Vitamin C, Kalzium und Eisen und soll auf diese Weise zu einer stabilen Gesundheit beitragen. Auch ist sie sehr anspruchslos und lässt sich nicht nur in Erde, sondern auch auf einem Stück Küchenpapier oder auf Watte selbst ziehen: Dafür einfach die gewünschte Form damit auslegen, Kressesamen großzügig darauf verteilen, ans Fenster stellen und regelmäßig bewässern.
Bereits nach wenigen Tagen brechen die Samenschalen auf und winzige hellgrüne Keimlinge wachsen heraus. Dann zeigen sich die ersten kleinen Blättchen – und ehe man sich’s versieht, stehen dicht an dicht die gut sechs Zentimeter hohen Stängel mit ihren dunkelgrünen Köpfen.
Gerade für Kinder eignen sich Kressebasteleien daher perfekt: Denn so können sie selbst die Verantwortung für „ihren“ Minigarten übernehmen, die Pflänzchen pflegen und sich Tag für Tag aufs Neue an dem sichtbaren Fortschritt erfreuen. Wichtig sind nur viel Licht und genug, aber nicht zu viel Wasser. Die Kresse daher einfach ans Fenster stellen und jeden Tag etwas gießen oder mit Wasser besprühen.
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Tipps aus der Region

Schenkendorf: Wanderung mit Lama und Alpaka
Schloss Meyenburg: Filmgeschichte im Modemuseum
Historisches aus vielen Jahrzehnten – ein Besuch in der Bötzower Kirche
Wandern rund um Potsdam: Der Panoramaweg in Bergholz-Rehbrücke
Schauspielerin Kristin Suckow aus Königs Wusterhausen im ZDF-Herzkino
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Raus in den Garten

Der Rhododendron kann an bitterkalten Tagen kein Wasser aus dem Boden aufnehmen und schützt sich vor Verdunstung, indem er die Blätter rollt. Foto: Ina Fassbender/dpa
Der Rhododendron kann an bitterkalten Tagen kein Wasser aus dem Boden aufnehmen und schützt sich vor Verdunstung, indem er die Blätter rollt. Foto: Ina Fassbender/dpa
An sehr kalten sonnigen Wintertagen rollen einige Immergrüne ihre Blätter ein. Sie machen sich quasi dünn: Durch das Einrollen verringern sie die Oberfläche, durch die Wasser verdunsten kann. Auf diese Weise schützen sie sich vor dem Austrocknen. Denn nicht nur im Sommer verdursten Pflanzen, gerade jetzt im Winter wird diese Gefahr oft unterschätzt.
Der Grund: Wenn bei anhaltenden Minusgraden der Boden gefroren ist, können die Wurzeln kein Wasser nachliefern. An klaren sonnigen Tagen wird aber über die Blätter weiter Feuchtigkeit abgegeben. Experten sprechen dann von der sogenannten Frosttrocknis.
Besonders beim Rhododendron lässt sich das Einrollen der Blätter im Winter gut beobachten. Der Kirschlorbeer dagegen wirft einen Teil der Blätter ab, um die Verdunstungsfläche möglichst klein zu halten. 
In längeren Frostperioden kann man Buchs oder andere gefährdete Pflanzen bei intensiver Sonneneinstrahlung auch mit einem Jutesack beschatten, um zu starke Verdunstung zu verhindern.
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Der Wiesenburger Tropfen wird wieder hergestellt. Foto: René Gaffron
Der Wiesenburger Tropfen wird wieder hergestellt. Foto: René Gaffron
Auch für unser Fundstück in dieser Woche bleiben wir im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Der Wiesenburger Tropfen ist zurück. Es handelt sich um einen Kräuterlikör mit besonders fruchtiger Note (Heidelbeeren!). Die Rezeptur für die Spirituose wurde einst von Uwe Zimmermann, dem langjährigen Wirt in der Wiesenburger Schlosschänke „Zur Remise“, mit entwickelt.
Jetzt soll der Likör wieder in Gaststätten und im Einzelhandel im Hohen Fläming verfügbar sein. „Wir stellen ihn wieder her und hoffen, dass sich die Kundschaft für die Spirituose begeistern wird“, sagt Alf Kullmann.
Der 50-Jährige ist Chef der Obstbrennerei Kullmann GmbHdie sein Vater Erich in Loburg und auf dem Areal des Landgutes Reppinichen aufgebaut hat. Die Chancen für das Comeback des Schnapses aus der „Perle des Flämings“ stehen nicht schlecht.
Allerdings muss man wissen, dass es den Wiesenburger Tropfen aktuell nur in der Region zu kaufen gibt. Verfügbar sind Flaschen in den Größen 0,2, 0,4 und 0,7 Liter - und zwar in der Touristerei im Rathaus Wiesenburg. Wenn Sie aber zum Wandern ohnehin schon in Lütte sind, ist es gar nicht mehr so weit.
Fundstück der Woche

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