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Wandern von Teupitz nach Tornow+++Frühlingssuppe +++Zeit für Kohlrabi-Aussaat

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
willkommen in unserer Lockdown-Wohngemeinschaft, als die ich diesen Newsletter derzeit betrachte. Wir finden hier zusammen, um die Laune zu heben, die Beinfreiheit nach Möglichkeiten auszureizen und den Kopf nach rechts und links zu drehen, nach oben und unten, Hauptsache, er bleibt beweglich.
Der Blick richtet sich derzeit gerne in die Zukunft, zumindest geht es mir so. Ja, ich habe einen Sommerurlaub gebucht. Wahnsinn? Ja, Wahnsinn! Ostsee. Früher habe ich als erstes überlegt, nachdem die Unterkunft in trockenen Tüchern war, ob ich eine neue Sonnenbrille brauche. Jetzt denke ich darüber nach, ob ich eine Reiserücktrittsversicherung benötige, die auch die Pandemie mit abdeckt.
Soweit die Zukunft. Mein Blick der Gegenwart richtet sich auf das Matheheft der Tochter, die rein faktisch in der zweiten Klasse steckt, im Grunde aber pädagogisch und auch fachlich im Nirwana hängt. Wir üben jetzt daheim das Einmaleins. Immer klemmt es punktgenau bei 7x8. Unser Mantra lautet also im Moment: 56! 56! 56! Ich wünschte, wir reden bei der 56 auch vom frischen Inzidenzwert. Doch der ist enteilt. Lebt nicht mehr im kleinen Einmaleins, sondern bald im großen. Leider.
Der eingeschränkte Radius von 15 Kilometern ist aktuell in vielen Fällen aufgehoben. Immerhin. Ob das dem langsam erwachenden Wahlkampf geschuldet ist (die Bundestagswahl findet am 26. September 2021 statt) oder einer medizinischen Einsicht, kann ich nicht beurteilen. Eine Ahnung, woran es liegt, habe ich, doch die ist nicht offiziell – die wird im kleinen Kreis am Küchentisch besprochen, nicht in einem Newsletter. Trotz leichter Lockerungen werde ich mit einem Ausflug vorerst warten. Dennoch empfehle ich Ihnen perspektivisch eine Wanderung von Teupitz nach Tornow (Landkreis Dahme-Spreewald) – eine Gegend, die ich vor knapp zwei Jahren während meiner Wanderungen auf Fontanes Spuren kennengelernt habe. Sehr schön! Leider steht dort ein Schloss, das in Privatbesitz massiv verschlossen wurde für Passanten. Verschlossene Türen, die kennen wir derzeit en masse.
Offen ist jetzt immerhin die Tür des Barberini, das Weltklasse-Kunstmuseum in Potsdam. Dort lernen wir durch Rembrandt aktuell den Orient kennen. Eine Reise in Bildern. Besser als eine Reise im Flugzeug, denn wer möchte dieser Tage fliegen? Sie müssen sich anmelden, wenn Sie ins Museum möchten. Von jetzt auf gleich, das geht nicht mehr. Doch eine Reise in den Orient war nie eine spontane Sache, es brauchte auch schon vor Corona ein paar Vorbereitungen.
Auch Burg Eisenhardt in Bad Belzig ist wieder offen, Näheres finden Sie unten im Newsletter. Wer nicht raus möchte aus Haus und Garten, wofür es derzeit wirklich gute Gründe gibt, kann Kohlrabi ernten. Riesenkohlrabis. Bis zu 10 Kilogramm schwer! Glauben Sie nicht? Weiter unten finden Sie Beweise.
Machen Sie das Beste aus diesen Zeiten und genießen Sie das Wochenende!
Herzliche Grüße,
Ihr
Lars Grote
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Von Teupitz nach Tornow

Der Stadtrundgang startet und endet in Teupitz.
Der Stadtrundgang startet und endet in Teupitz.
Luftaufnahme von Stadt und Schloss Teupitz. (Foto: Hensel)
Luftaufnahme von Stadt und Schloss Teupitz. (Foto: Hensel)
Dieser acht Kilometer lange Rundweg beginnt an der Post in Teupitz, Kreuzung Post-/Bahnhof-/Linden-/Buchholzer Straße. Der Buchholzer Straße folgen wir wenige Meter, an der Bushaltestelle wechseln wir links auf die parallel verlaufende sandige Straße “Kreisgarten” neben Gartengrundstücken. Am Ende schräg links auf die Waldstraße, wo die Blaupunkt-Markierung des 66-Seen-Weges die Routenführung übernimmt.
Die ungeteerte Waldstraße führt in einen Kiefernwald hinein, in dem wir bald auf den kleinen idyllischen Nicolassee treffen. Hier verzweigt sich der 66-Seen-Weg: Wir folgen ihm westlich des Sees, durch den Wald zur Straße. Dort kurz links, dann rechts auf den Schwarzen Weg nach Tornow, wir kommen vorbei am Tütschensee, der von Schilfgürteln und Wald umgeben ist.
Hinter dem See folgen wir links an der Verzweigung dem 66-Seen-Weg, vor dem Friedhof biegen wir rechts ab, dann geradeaus durch die Lindenallee Teupitzer Straße zum Dorfplatz. Hier rechts durch die Dorfstraße und gleich links durch die Seestraße zum Tornower See und am Ufer entlang in einem als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Waldstück mit uralten Bäumen. Wir folgen weiterhin dem Ufer mit Weidengebüschen, Erlen, Birken und Seggen, begleitet von den Tafeln eines Naturlehrpfads.
Schließlich verlässt der 66-Seen-Weg den Tornower See und führt zu einer nahen Wegekreuzung. Hier verlassen wir den 66-Seen-Weg und folgen dem Weg Hohe Mühle rechts. Er führt uns noch einmal ans Ufer des Tornowsees und dann geradeaus durch den Wald zur Teupitzer Straße. Kurz links und sofort rechts, bis am Tornower Weg wieder die Blaupunkt-Markierung des 66-Seen-Wegs auftaucht und links zurück nach Teupitz führt.
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Brandenburg für Genießer

Eine Frühlingssuppe. (Symbolbild: bit24/Adobe Stock)
Eine Frühlingssuppe. (Symbolbild: bit24/Adobe Stock)
Offiziell beginnt der Frühling am Samstag, Grund genug, eine Frühlingssuppe zu kochen. Unsere Mengenangaben sind ausgelegt für vier Portionen.

Zutaten:
2 Zwiebeln gewürfelt
30 g Butter
150 g Grüne Bohnen
4 Möhren
1 frische Wurzelpetersilie
1 frischer Knollensellerie
3 Kartoffeln
1 frischer Kohlrabi
1 l Fleischbrühe
1 Lauch
1 gehackten Liebstöckelzweig
200 g Grüne Erbsen (tiefgefroren)
etwas gehackte Petersilie

Zubereitung:
Alles Gemüse mundgerecht kleinschneiden. Die zarten mittleren Kohlrabiblätter hacken und wegstellen. Zwiebeln in Butter goldgelb anbraten, dann die Zutaten bis einschließlich Brühe zufügen und 10 Minuten sanft köcheln lassen.
Mit dem Lauch und gehacktem Liebstöckel weitere 7 Minuten garen. Erbsen dazugeben und noch einmal 3 Minuten lang fertiggaren. Die gehackten Kohlrabiblätter mit Petersilie unterheben, noch einmal abschmecken und servieren. Natürlich darf das Gemüse bei der Zubereitung variieren.
Tipp: Gut schmeckt zur Suppe ein würziger Kartoffelpuffer.
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Raus in den Garten

Tolle Knolle: Kohlrabi lässt sich gut selbst anziehen. Foto: stock.adobe.com
Tolle Knolle: Kohlrabi lässt sich gut selbst anziehen. Foto: stock.adobe.com
Bereits ab März kann Kohlrabi ausgesät werden. Blaue Sorten brauchen einige Tage länger für ihre Entwicklung, sind aber widerstandsfähiger; weiße neigen in der Regel etwas eher zum Verholzen. Immer beliebter werden Riesen-Kohlrabis, die zur Ernte nicht selten 5 bis 10 Kilogramm auf die Waage bringen.
Bei der Aussaat gilt: Nicht zu viel auf einmal - statt dessen bis Ende Juli alle paar Wochen Folgesaaten vornehmen. Am besten sät man einige Samen dünn in Schalen aus und bedeckt sie einen Zentimeter dick mit Erde. Bis zum Keimen ist ein Platz mit 15 Grad im Haus ideal. Zeigen sich die Keimlinge, werden die Schalen hell und etwas kühler gestellt. Erscheinen die zweiten Laubblätter, pikiert man die Pflanzen in 5 bis 6 Zentimeter große Töpfe und kultiviert sie danach im Haus oder unter Glas und Folie weiter.
Je nach Entwicklungsstadium kommen die Jungpflanzen ab April an einen geschützten Platz im Freiland. Der Abstand sollte 25 Zentimeter in den und zu anderen Reihen betragen. Kohlrabi kommt nur bis zum ersten Blattansatz in den Boden, nicht tiefer, da sich sonst keine Knolle bildet. Geeignete Nachbarn für die Mischkultur sind Bohnen, Erbsen, Kopfsalat, Porree, Radieschen, Rote Bete, Sellerie, Spinat und Tomaten.
Die intakten Blätter kommen mit in den Eintopf. Foto: Karolin Krämer/dpa
Die intakten Blätter kommen mit in den Eintopf. Foto: Karolin Krämer/dpa
Kohlrabi braucht viel Wasser. Leiden die Pflanzen unter Trockenheit, werden die Knollen schneller holzig. Hat man im Garten Probleme mit der Kohlfliege oder dem Kohlgallenrüssler (die Larven dieser Tiere fressen Wurzeln und Wurzelhals an), lohnt sich der Einsatz von Gemüsenetzen über den Beeten. Geeignet sind engmaschige Netze, durch die die Tiere nicht gelangen können, und Vliese. Gemüsefliegennetze, die im Gartenhandel zu kaufen sind, gewährleisten eine gute Durchlüftung und man kann die Kulturen gießen, ohne den Schutz entfernen zu müssen.
Zeigt sich der Ansatz der Knolle, erhalten die Pflanzen alle vierzehn Tage einen Guss verdünnter Brennnesseljauche. Geerntet wird, wenn die Knollen apfelgroß sind. Die inneren Blätter können gegessen werden - sie geben zum Beispiel dem Kohlrabieintopf seine typische Geschmacksnote. Außerdem sind sie sehr mineralstoffreich.
Sie sind in Sachen Gemüseanbau noch nicht so erfahren? Dann schauen Sie doch mal hier vorbei. Unter der Überschrift “Gemüse für Anfänger: So klappt es mit dem Gemüsegarten” gibt es jede Menge Tipps.
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Fundstück der Woche

Die Spielsteine sind den Sandsteinobelisken nachempfunden, die einst unsere Postrouten säumten und den Kutschern als Orientierung dienten. Foto: GeoBasis-DE/LGB
Die Spielsteine sind den Sandsteinobelisken nachempfunden, die einst unsere Postrouten säumten und den Kutschern als Orientierung dienten. Foto: GeoBasis-DE/LGB
Die Azubis des Landesbetriebs für Landesvermessung und Geobasisinformation in Potsdam haben haben ein Brettspiel mit historischer Vorlage entwickelt - und dafür den 1. Preis der Kartographie-Stiftung Ravenstein erhalten.
Die angehenden Geomatikerinnen und Geomatiker Jenny Giesecke, Laura Haase, Johanna Kurzweg, Erik Hannibal und Christian Moskwa überzeugten die Jury mit ihrem Brettspiel „Der Beelitzer Postkutscher“. Für die Entwicklung seines Spiels musste das Team nicht nur maßstabsgenaue Karten zeichnen. Auch historische Recherchen, die Modellierung der Spielsteine für den 3D-Drucker und das inhaltliche Spieldesign mussten Hand und Fuß haben.
Den Anstoß zur Entwicklung des Spiels gab eine Pilgerwanderung von Azubi Eric Hannibal auf dem Wunderblutweg nach Bad Wilsnack. Entlang des Weges entdeckte er vier alte Postmeilensteine in Form von Sandsteinobelisken und stellte fest, dass diese mehr als sieben Kilometer auseinander lagen. Eine Recherche weckte dann das Interesse auch der übrigen Azubis an der alten Maßeinheit der Preußischen Meile. Und an Beelitz, das im preußischen Postsystem einen wichtigen Stützpunkt darstellte.
Folgerichtig zeigt das auf eine Leichtschaum-Platte gedruckte Spielfeld eine um Beelitz zentrierte Karte mit den Postrouten Preußens und seiner angrenzenden Herzogtümer und Königreiche anno 1861. Neben dem Kilometer dient die alte Preußische Meile zur grafischen Veranschaulichung des Maßstabs von 1:941.000 der Hauptkarte und kleineren Beikarten. Denn analog zur damaligen Vielstaaterei war auch eine Vielzahl an Maßeinheiten in Gebrauch. Die Preußische Meile etwa entsprach 24.000 Fuß oder wahlweise 4000 Klaftern, 3600 Lachtern, 2000 Ruthen, 3864,722 Toisen oder eben 7532,4836 Metern. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, gab es auch die geografische Postmeile, die 7407,4067 Meter maß. Eine einheitliche Maß- und Gewichtsordnung trat erst 1869 für den Norddeutschen Bund in Kraft.
Das Spielfeld ist eine um Beelitz zentrierte Karte mit den Postrouten Preußens und seiner angrenzenden Herzogtümer und Königreiche. Foto: privat
Das Spielfeld ist eine um Beelitz zentrierte Karte mit den Postrouten Preußens und seiner angrenzenden Herzogtümer und Königreiche. Foto: privat
Und so haben die Spieledesigner die Spielfeldgröße exakt so gewählt, dass jeder Spielzug verhältnismäßig in etwa der durchschnittlichen Tagesreise einer Postkutsche entspricht. Hauptaufgabe der Spieler ist die Abholung von Postsendungen in Magdeburg oder Berlin und Zustellung zum jeweiligen Zielort – allen etwaigen Zwischenfällen zum Trotz. Als Inspiration für die Ereigniskarten und Aufträge, die die Spieler bewältigen müssen, dienten historische Ereignisse aus der Zeit von 1790 bis 1850.
Wer sich nun auf Spieleabende mit dem Postkutscher freut, muss sich noch gedulden: Bislang existieren nur vier Exemplare des Brettspiels. Auf großes Interesse stößt es – wie könnte es anders sein – in Beelitz, wo ein Exemplar zwischen den historischen Karten und Ausstellungsstücken der zum Museum umfunktionierten Alten Posthalterei einen würdigen Platz gefunden hat. „Es gab Überlegungen, das Spiel aufzulegen, aber leider gehören uns die Rechte daran nicht. Die liegen bei der Kartographie-Stiftung Ravenstein“, gibt Justine Remus von der Museumsverwaltung auf Nachfrage an.
Die übrigen drei Spiele befinden sich im Landesbetrieb, der noch keine konkreten Pläne damit hat. „Die Massenproduktion durch einen großen Spielehersteller möchten wir definitiv nicht anstreben“, so Thomas Gernhardt vom Landesbetrieb. Er könne sich aber durchaus eine Vervielfältigung in kleinerer Stückzahl vorstellen, so Gernhardt.
Erst einmal wird das Spiel auf einer eigenen Website vorgestellt. Zielgruppe des Spiels sind Gruppen von zwei bis vier Personen ab einem Alter von zehn Jahren.
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