Tour um Templin ++ Leckere Kartoffelsuppe ++ Nistkästen für Spatzen

#90・
MAZ Raus aufs Land
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
im Radio haben sie von einem Bombenfund gesprochen, und weil ich diese Meldungen schon kenne, in denen dann die Bombe meist in Potsdam liegt und die Entschärfung mir den Weg in mein Büro bei der MAZ verbaut, habe ich gezuckt. Beim Wort “Bombe” zucke ich nicht deshalb, weil sie den Weg zum Arbeitsplatz versperrt, sondern weil ich Eltern habe, die den Krieg erlebten. Aus der Gegenwart betrachtet hat ein Bombenfund für mich nicht mehr den maximalen Schrecken, auch wenn sie vorm Büro liegt, denn ich arbeite im Homeoffice.
Aber dann, als sie das Wort vom “Bombenfund” im Radio ausgesprochen hatten, folgte nirgendwo ein “Potsdam”, denn es ging hier um Templin, gelegen in der Uckermark. Die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg lag am Sportplatz der Stadt. Und gleich sprang etwas an in meinem Kopf, ein Projektor, der mir das kleine Stadion vor Augen hielt. Es ist ein Idyll, weit entfernt von einem Hexenkessel, ein Wort, das ich mit einem Stadion sonst verbinde. Der Sportplatz ist, in meiner blumigen Erinnerung, von Bäumen umstanden, nur einen Steinwurf vom Templiner Stadtsee entfernt, und wer beim Fußball auf dem Sportplatz hoffnungslos zurückliegt, 0:4 in der 78. Minute, packt die Sachen und wechselt die Sportart. Geht rüber zum See, springt hinein, schon ist das 0:4 vergessen. Ich verkläre das Templiner Stadion zu einem weiten Feld. Einem der unbegrenzten Möglichkeiten.
Die Entschärfung der Bombe klappte problemlos. Und mir war klar, ich muss mal wieder nach Templin. Es gibt wenige Städte in Brandenburg, die mir besser gefallen. Zumal ich sonst bei meinen Ausflügen nicht in die Städte fahre, sondern aufs Land. Aufs Dorf. Meine Urlaubsfantasien liegen gerne dort, wo die Landkarte nur wenig zu erzählen hat, wo sie ein Kirchlein, ein Bächlein und ein Häuslein markiert. Ja, für meine Urlaubsplanung ist die Endung “-lein” sehr wichtig.
Und plötzlich fiel mir Merkel ein. Und die Kartoffelsuppe. Das sind, nach dem Sportplatz, meine zweiten Gedanken zu Templin. Wo man Kartoffelsuppe kocht, da lass dich nieder… So klang das immer, wenn über Merkel und ihre Datsche geschrieben wurde. Ich kenne diese Datsche nicht, bin mir aber sicher, dass es keine echte “Datsche” ist, denn dieses Wort steht jedenfalls in meinem Leben für ein Feldbett, zwei Herdplatten und ein paar Rosen vor dem Fenster.
Wenn ich Ihnen in diesem Newsletter eine Tour durch Templin und sein Umland vorstelle, dann muss ich einräumen, dass sie nicht an Merkels Datsche vorbeiführt. Weil ich nicht weiß, wo diese Datsche liegt. Genau genommen könnte der Weg also doch an diesem Häuschen vorbeiführen, ohne dass ich eine Ahnung davon hätte.
Diese Tour ist keine Wallfahrt, um Angela Merkel zu gedenken. Doch ich finde das keine schlechte Geste, nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt zu schauen, wo sie groß geworden ist und wo sie jetzt eventuell viel häufiger Kartoffelsuppe kocht. Geboren ist sie jedenfalls in Hamburg, der Stadt, die man mit Olaf Scholz verbindet. Doch der kam in Osnabrück zur Welt. Wie gesagt: Mich zieht es auf Ausflügen in die kleinstmögliche Maßeinheit, in diesem Falle spricht das deutlich für Templin und gegen Hamburg. Auch gegen Osnabrück.
Ich persönlich ging mal auf die Schule, auf die der Bundespräsident Karl Carstens (Amtszeit von 1979 bis 1984) ging. Carstens war nicht bekannt für das Kartoffelsuppekochen, sondern dafür, emsig durchs Land zu wandern. So gesehen war mein Weg, den Newsletter “Raus aufs Land” zu schreiben, vorgezeichnet.
Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen!
Herzliche Grüße,
Ihr Lars Grote
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Ab in die schöne Uckermark

Vom Bahnhof Templin machen wir uns auf den Weg um den Stadtsee. Foto: Panthermedia/Imago
Vom Bahnhof Templin machen wir uns auf den Weg um den Stadtsee. Foto: Panthermedia/Imago
Wie gesagt, wir fahren nach Templin, Uckermark, Merkelstadt. Nicht, um die ehemalige Kanzlerin zu feiern, sondern um die Schönheit der Stadt und ihre Umgebung zu würdigen. Und vielleicht, um doch ein bisschen an der Macht zu schnuppern – dort zumindest, wo die Frau sich von der Macht erholt hat. Das sind ja oft die schöneren Plätze als jene dicken Sessel, von denen aus die Welt gelenkt wird.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Wir beginnen unseren gut elf Kilometer langen Rundweg, für den wir knappe drei Stunden brauchen, am Bahnhof Templin, wo auch die Regionalbahnen 12 und 63 halten. Den Bahnhof verlassen wir am Weg entlang der Gleise Richtung Westen. Nach gut 200 Metern biegt er scharf nach rechts und führt uns auf die Obere Mühlenstraße, der wir bis zur Stadtmauer folgen, die uns nun rechter Hand die Richtung vorgibt. Entlang der Mauer gehen wir bis zum Prenzlauer Tor, hier halten wir uns rechts, bis wir links auf die Seestraße abbiegen. Nach rechts machen wir dort einen Schlenker zum Templiner Stadtsee, dort lässt sich vom Stadthafen aus der Blick über das Wasser genießen.
Ein Teil der Runde ab Templin führt uns an der alten Stadtmauer entlang. Foto: Panthermedia/Imago
Ein Teil der Runde ab Templin führt uns an der alten Stadtmauer entlang. Foto: Panthermedia/Imago
Der Seestraße folgen wir bis zur Pionierbrücke, die nur für Fußgänger passierbar ist, halten uns an der Weinbergstraße rechts, sie geht über in den Uferweg, das Ufer gilt jetzt generell als Orientierung. Ihm immer nach, bis hoch zur Gleuenbrücke. Dort biegen wir nach rechts und gehen, weiterhin am Ufer, zur Bundesstraße 109, die wir umgehend wieder verlassen, abermals weist uns das Ufer den Weg. Es leitet uns zurück in die Stadt Templin. Dort angekommen, überqueren wir die Prenzlauer Allee, nehmen die kurze Franz-Mehring-Straße bis zu ihrem Ende, biegen dort nach links und folgen dem Weg über die Gleise, ihnen entlang führt uns der Pfad zurück zum Bahnhof.
Tipp: Mit unserer Routenbeschreibung und der Wanderkarte haben Sie alles, was Sie für diese Tour brauchen. Wer mehr Details sucht, findet sie unter Komoot.de.
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Brandenburg für Genießer

Der Suppenklassiker aufgewertet mit Gemüseeinlage: Kartoffelsuppe. Foto: Josefin Linder, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern
Der Suppenklassiker aufgewertet mit Gemüseeinlage: Kartoffelsuppe. Foto: Josefin Linder, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern
Die Kartoffelsuppe (nein, es ist nicht das uckermärkische Originalrezept von Angela Merkel) bekommt in diesem Rezept Gesellschaft von grünen Selleriestangen, aromatischer Zwiebel und Knoblauch. Eine Dose Butterbohnen macht die Suppe herrlich cremig und dient außerdem als Proteinlieferant schlechthin. Bei der Einlage kann man sich austoben. Die Favoriten von Mia Frogner - von ihr stammt das heutige Rezept - sind knusprig gebratene Kartoffelscheiben mit Salz, geröstete Mandeln, Petersilie und knusprige Pilze: ein herrlicher Kontrast zur sahnigen Suppe. Kartoffeln enthalten nur zwei Prozent Eiweiß – dafür aber sehr hochwertiges. Auch Mineralstoffe, Kalium und Vitamin B sowie C sind Bestandteil der Knolle.
So geht’s
Zutaten (für 4 Personen):
Butter oder neutrales Öl, 1 gelbe Zwiebel, 2 Stangen Sellerie, 2 Knoblauchzehen, 500 g helle Kartoffeln + 1 zusätzliche Kartoffel als Einlage, ½ l Wasser, 1 EL gekörnte Brühe/Fond, Olivenöl, 1 Dose Butterbohnen/große weiße Bohnen, Salz, Pfeffer.
Für die Suppeneinlage: 1 kleine Handvoll Mandeln, 1 große Handvoll Pfifferlinge oder andere Pilze, frische Petersilie.
In einem Topf mit dickem Boden bei mittlerer Hitze etwas neutrales Öl oder einen reichlichen Klecks Butter (circa 1 EL) erhitzen. Zwiebel und Selleriestangen grob hacken und mit einer Prise Salz im Topf anschwitzen. Knoblauchzehen schälen (sie müssen nicht gehackt werden) und in den Topf geben.
Während das Ganze brät, die Kartoffeln waschen und klein schneiden, bevor sie auch in den Topf kommen. Reichlich Salz aus der Mühle zugeben und mit Wasser, Fond/Brühe und ein paar Tropfen Olivenöl aufgießen. Aufkochen lassen und die abgespülten Butterbohnen dazugeben, wenn das Wasser kocht. Zugedeckt köcheln lassen.
In einer Pfanne ohne Fett die grob gehackten Mandeln bei mittlerer Hitze rösten, bis sie goldgelb werden. Die zusätzliche Kartoffel hauchdünn schneiden (am besten auf der Mandoline) und bei hoher Temperatur in einer Mischung aus Butter oder neutralem Öl und Olivenöl braten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und mit etwas Salz bestreuen. Die Pilze bereiten Sie ganz zum Schluss zu, wenn die Suppe fertig ist. Zunächst putzen, dann in einem Klecks Butter oder Öl braten.
Ist die Suppe fertig, das heißt, wenn die Kartoffeln weich sind (nach circa 15 bis 20 Minuten), den Topf vom Herd nehmen und die Suppe mit dem Stabmixer glatt pürieren. Aufpassen, dass es nicht spritzt! Mit Olivenöl, Salz und Pfeffer abschmecken, bevor man die Suppeneinlage hinzugibt, dann mit frischer Petersilie garnieren.
Das Rezept stammt aus dem Buch „Green Bonanza“ von der norwegischen Food-Autorin Mia Frogner, deren Motto lautet: „Alle grünen Dinge sind gut.“ Es ist erschienen im Jan-Thorbecke-Verlag, hat 200 Seiten und kostet 24 Euro. Sarah Franke
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Raus in den Garten

Zwei Spatzen sitzen auf einem an einem dicken Baum befestigten Vogelhaus. Foto: Soeren Stache/dpa
Zwei Spatzen sitzen auf einem an einem dicken Baum befestigten Vogelhaus. Foto: Soeren Stache/dpa
Spatzen sind Stammgäste in unseren Gärten. In Kürze beginnen auch sie mit dem Nestbau. Spatzen sind Höhlenbrüter. Ihre Nester bauen sie gern in Nischen von Gebäuden und Dächern. Gibt es die nicht, ist ein bezugsfertiger Nistkasten eine gute Alternative. Wer einen solchen installieren will, sollte auf folgende Dinge achten:
Die Höhe: Spatzen brauchen für ihren Nistplatz einen festen, ungestörten Ort. Der Kasten sollte sich in mindestens drei Metern Höhe befinden.
Das Material: Das Vogelheim sollte aus unbehandeltem Holz oder Holzbeton sein. Für die Wetterfestigkeit bitte nicht lackieren, sondern besser mit biologisch abbaubarer Leinöl-Firnis oder einer umweltfreundlichen Holzlasur behandeln. Sind die Innenwände leicht angeraut statt glatt, kommen die flüggen Jungvögel gut vom Nest zur Öffnung hinauf.
Das Flugloch: Ausgewachsene Spatzen benötigen einen Kreis-Durchmesser von vier Zentimetern oder bei einem hochstehenden Oval die Maße drei mal fünf Zentimeter. Oft sind die Löcher bei Fertigkästen für Spatzen zu klein. Tipp: Zum Kauf ein Maßband mitnehmen. Eine Sitzstange vor dem Loch ist nicht nötig, im Gegenteil: Sie unterstützt nur Nesträuber wie den Marder.
Die Lage: Wenn möglich, sollte das Spatzen-Zuhause nach Osten ausgerichtet werden. Strahlt von Süden die pralle Sonne darauf, wird es innendrin zu heiß. Richtung Westen kann es wiederum an manchen Tagen zu windig und nass sein.
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