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Spaziergang durch den Park Sanssouci ++ Einkehr im Drachenhaus ++ Potsdam-Puzzle

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
eigentlich schicke ich Sie an dieser Stelle in die Weiten unseres schönen brandenburgischen Landes. In den warmen Monaten bereitet das auch keine Schwierigkeiten, ja, selbst im frühen Herbst spricht einiges für dunkelrot gefärbte Laubwälder und still im Abendsonnenschein liegende Seen. Aber im November, dem mit Verlaub trübsten Monat in unseren Breiten, sieht das anders aus. Da habe ich bei Reiseempfehlungen gewisse Skrupel.
Zum Beispiel hätte ich in der Mitte der vergangenen Woche keinen Hund vor die Tür gejagt. Ununterbrochener Regen, dazu kalte Windböen und ein finster-grauer Himmel prägten das Wetter im Land.
Weil also Reisetipps derzeit eine heikle Sache sind, haben wir uns für diese Woche einen Kompromiss zwischen Natur und schützenden Gebäuden ausgedacht. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang durch den Park Sanssouci, der selbst für angestammte Potsdamerinnen und Potsdamer immer wieder neue Entdeckungen und Ansichten bietet. Den passenden kulinarischen Tipp liefern wir gleich mit - je nachdem, wie Sie es mit dem Impfen halten, allerdings womöglich unter Vorbehalt. Das Brandenburger Kabinett beschließt heute eine neue Corona-Verordnung und die Zeichen stehen auf 2G.
Angesichts der immer weiter steigenden Infektionszahlen, werden die Corona-Regeln wieder deutlich drastischer. Vor allem für Ungeimpfte.
Natürlich gibt es auch Impfdurchbrüche und Geimpfte können erkranken. Aber mit einer höheren Impfquote wären wir dennoch in einer Situation, in der das Virus in seiner Verbreitung gebremst würde und Infektionen nur noch in seltenen Fällen solche fatale Folgen wie einen Klinikaufenthalt oder gar den Tod hätten. Mit anderen Worten: Covid wäre eine Infektionskrankheit wie andere Infektionskrankheiten, mit denen wir leben müssen und ohne große Einschränkungen auch leben können. Sich mit der besten Rüstung zu wappnen, die wir zur Zeit gegen das Virus haben, also sich impfen zu lassen, scheint mir daher nur folgerichtig.
Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass es spätestens im Frühjahr wirklich besser aussieht. Und mit solchen Frühlingsgefühlen will ich Ihnen den späten Herbst doch noch etwas erhellen. Sanssouci ist, das beweisen unsere Bilder, auch im Herbst sehr schön. Außerdem können sie jederzeit eine kleine Schlösserführung einschieben und so etwaigen Regengüssen entkommen. Nicht nur das: Gastronomie aller Art ist in der näheren Umgebung des Parks nicht weit, ja, mit dem Drachenhaus, das wir Ihnen diesmal etwas näher vorstellen, haben sie ein Restaurant sogar auf der Route ihres Spaziergangs.
Und dann haben wir wie immer auch noch ein Fundstück für Sie, das in dieser Woche aus 500 Teilen besteht und sich ganz wunderbar als Weihnachtsgeschenk eignet. Fügt die oder der Beschenkte die Puzzleteile wieder zusammen, zeigt sich eine unterhaltsame Potsdamer Stadtansicht.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche - bleiben Sie gesund!
Ihr
Rüdiger Braun
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Spaziergang im Park Sanssouci

Herbststimmung im Park Sanssouci. Foto: Julius Frick
Herbststimmung im Park Sanssouci. Foto: Julius Frick
Es geht ins Welterbe, liebe Leserinnen und Leser! In dieser Woche laden wir Sie ein zu einem Spaziergang durch den Park Sanssouci in Potsdam. Die Route ist etwa drei Kilometer lang, wofür man mindestens zwei Stunden einplanen sollte - und wonach noch Zeit bleibt, zum Beispiel für einen Ausflug in die kulinarische Welt der Landeshauptstadt. Jede Menge Inspiration bekommen Sie bei unserer Restauranttesterin Manuela Blisse.
Das prächtige Posttor in der Geschwister-Scholl-Straße nahe des Bahnhofs Park Sanssouci (erreichbar mit RE1 oder RB21/22 sowie Bus) ist der Startpunkt. Der Name stammt von der kaiserlichen Poststation, die in der Villa gegenüber des Tores ihren Sitz hatte. Der Weg führt nur ein kurzes Stück durch die breite Lindenavenue. Nach knapp 100 Metern geht rechts und dann schnurgerade an der Fasanerie mit ihrem Türmchen vorbei bis in das Hippodrom. Dieser ovale Teil des Parks ist an den derzeit kahlen Bögen für rankende Pflanzen erkennbar.
Karte: Gesine Thränhardt
Karte: Gesine Thränhardt
Im Hippodrom gehen wir nach links zu dem kleinen Baldachin. Dort können wir eine Wassernymphe entdecken, die auf einem Hippokamp – halb Pferd halb Fisch – reitet. Wir verlassen das Hippodrom nach Norden, bis wir auf den breiten Theaterweg gelangen, der uns in einem großen Schwung bis zum Neuen Palais führt. Schon aus der Ferne strahlt auch unser nächstes Ziel – der Freundschaftstempel aus weißem Marmor. Auf seinen Säulen sind Freundespaare der antiken Griechen verewigt.
Wir folgen dem Weg um den Tempel herum und kreuzen dabei die Hauptallee. Der Antikentempel mit seinem roten Putz sollte schon zu sehen sein. Der Weg vor dessen Eingang führt geradewegs nach Norden bis zur Maulbeerallee.
Kolossal: Diese zwei Damen aus Sandstein stehen für die zwei Gesichter des Parks von Sanssouci, der als Zier- und Nutzgarten angelegt worden ist. Foto: Peter Degener
Kolossal: Diese zwei Damen aus Sandstein stehen für die zwei Gesichter des Parks von Sanssouci, der als Zier- und Nutzgarten angelegt worden ist. Foto: Peter Degener
Auf der anderen Straßenseite beginnt eine steile Treppe, die hinauf auf den Klausberg mit seinen Weinhängen, dem prächtigen Belvedere und dem kleinen Drachenhaus führt. Wir halten uns nun rechts und folgen der Allee entlang der großen Krimlinden bis zur Schlossorangerie. Doch gehen wir nicht durch die Torbögen auf die Vorderseite der langgestreckten Pflanzenhallen. Wir schauen vor dem Durchgang nach rechts und sehen am Ende des Weges einen bärtigen Männerkopf. Schauen Sie sich den Gott Jupiter aus der Nähe an. Drehen Sie sich um und genießen Sie seinen prächtigen Blick auf die Orangerie.
Es geht nun auf der Rückseite der Orangerie entlang. Dort stoßen wir auf das Gegenstück von Jupiter, die berühmte Juno Ludovisi. Wenn wir am anderen Ende der Orangerie wieder auf den Hauptweg geraten, führt uns eine Treppe in den Nordischen Garten. Wir nehmen nicht die erste in Stein gefasste, sondern die zweite Treppe, die von geschnittenen Hecken gerahmt wird.
Der Nordische Garten empfängt uns nicht so kahl, wie der übrige Park, weil hier viele immergrüne Gewächse stehen. Wir werfen einen Blick in die Grotte, bevor wir den Garten durchschreiten. Der Spaziergang endet am Felsentor genau unterhalb der Historischen Mühle - in unmittelbarer Nähe des Schlosses Sanssouci.
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Brandenburg für Genießer

Das Drachenhaus im Schlosspark Sanssouci in Potsdam. Foto: Waldemar Boegel/Imago
Das Drachenhaus im Schlosspark Sanssouci in Potsdam. Foto: Waldemar Boegel/Imago
Das Drachenhaus, das wir Ihnen anlässlich unseres Sanssouci-Spaziergangs empfehlen wollen, ist Teil des Weltkulturerbes. Der für Potsdam prägende Architekt Carl von Gontard entwarf ab 1770 diese Chinoiserie auf dem Hügel nach den Vorgaben Friedrich II. selbst. Die Liebe zum fernen Osten oder zu dem, was sich ein Preußenfürst dazu ausmalte, hatte der Alte Fritz ja schon etwa 15 Jahre zuvor mit der Errichtung des chinesischen Teehauses weiter unten im Schlosspark bewiesen. Jetzt sollte ein besonderes Wohnhaus für den Winzer des neu geschaffenen Weinberges nach dem Vorbild eine chinesischen Pagode entstehen.
Die Idee mit dem Sanssouci-Wein ging leider gründlich schief, auch am später versuchten Anbau von Pfirsichen und Äpfeln hatte der Winzer keine Freude und so blieb das eigens für ihn gebaute Haus zunächst leer. Zumindest die Aufseher des Belvedere bewohnten es später.
Erst im 19. Jahrhundert kam man auf die Idee, das Gebäude gastronomisch zu nutzen, zunächst als Kaffeeausschank. In der DDR war das Drachenhaus eine Gastronomie der volkseigenen Gaststättenorganisation. Nach der Wende war es bis 1996 eine Filiale der Potsdamer Caféhaus GmbH. Danach pachtete es der Gastronom Peter Hortig, dessen Sohn Alexander ab 2011 die Leitung des Hauses übernahm. “Mit frischer saisonaler Küche, feinen Kuchen und Torten sowie erlesenen deutschen und internationalen Weinen geben wir stets unser Bestes, um Ihre Sinne zu verzaubern”, schreibt er auf seiner Webseite.
Die Karte für den Herbst kann sich sehen lassen. Passend zur Jahreszeit bietet Gerichte mit Kürbisvariationen an. Zum Beispiel gibt es als Vorspeise eine pikante Kürbiscremesuppe verfeinert mit Kokosmilch für 7,20 Euro. Auch auf dem herbstlichen Flammkuchen dürfen die gebackenen Kürbisspalten im Kräuterschmand nicht fehlen. Pasta-Liebhaber können die Kürbisgnocchi wählen. Die italienische Kartoffelteigware wird vom Koch mit Kürbis-Ananasgemüse, Kirschtomaten, Rucola, Lauch und Grana Padano gereicht (15,50 Euro).
In den Monaten November bis März hat das Lokal dienstags bis sonntags jeweils von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Die Küche schließt allerdings schon um 17 Uhr. Reservierungen sind online möglich. Das Drachenhaus befindet sich in der Maulbeerallee 4.
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Raus in den Garten

Igel futtern sich gerade Fettreserven an und suchen nach einem Winter-Versteck. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Igel futtern sich gerade Fettreserven an und suchen nach einem Winter-Versteck. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Wenn die Tage kürzer werden, sieht man die Igel wieder durch den Garten wuseln. Auf der Suche nach Futter verzichten die nachtaktiven Stachelträger auch mal auf den Schutz der Dunkelheit. Denn für sie beginnt jetzt ein Rennen gegen die Zeit: Bevor der Dauerfrost kommt, gilt es fett zu werden. Nur mit ausreichend Reserven können die Tiere den Winter schlafend überleben. 
Das Überwintern in menschlicher Obhut gilt unter Experten jedoch nur als letztes Mittel. Igel gehören laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten. Das heißt, dass sie eigentlich in Ruhe gelassen werden sollten. Verletzten oder kranken Tieren, die sichtbar abgemagert sind, darf jedoch geholfen werden.
Damit Igel im Winter nicht auf einen Pflegeplatz angewiesen sind, kann man die Tiere im Herbst füttern: Für den nächtlichen Futterteller ist Hundefeuchtfutter geeignet, aber auch ein Mix aus Igeltrocken- und Katzenfutter aus der Dose sowie ungewürztes Rührei. Der Teller sollte vor Vögeln und Regen geschützt werden - zum Beispiel durch eine Kiste mit 10 x 10 Zentimeter großen Einschlupflöchern. Morgens müssen die Futterreste beseitigt und der Teller heiß gespült werden.
Naturfreunde können aber auch sonst einiges tun, um den Garten igelfreundlich zu gestalten: Laub sollte an einigen Stellen liegen bleiben. Auch Komposthaufen, Hecken, Holzstapel und Büsche bieten Unterschlupf. Drahtzäune sollten nicht bis zum Boden reichen.
Sorgen um die Gemüsebeete sind unbegründet: Igel fressen Würmer, Laufkäfer, Larven, Spinnen oder Schnecken, pflanzliche Nahrung lassen sie links liegen. Natürliche Feinde haben sie kaum. Die Tiere rollen sich bei Gefahr ein und zeigen ihre bis zu 8000 Stacheln. Wenn überhaupt, dann sind es Füchse, Dachse und Uhus, die sich gelegentlich an Igeln gütlich tun. Feind Nummer eins ist jedoch das Auto. 
Die Tiere brauchen vor dem Winter mindestens ein Gewicht von 500 Gramm. Dieses Ziel müssen sie erreicht haben, bevor die Bodentemperaturen dauerhaft unter null liegen. Vorher sollten untergewichtige Igel nicht ins Haus genommen werden. Artgerechte Igelhaltung ist aufwändig: Die Tiere sind Einzelgänger, die ein mindestens zwei mal zwei Meter großes Gehege benötigen - zumindest bis sie sich zum Winterschlaf zurückziehen und ihren „Pflegeeltern” eine Pause gönnen.
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Fundstück der Woche

Weihnachten naht, liebe Leserinnen und Leser, und da möchten wir Ihnen einen Geschenktipp in eigener Sache ans Herz legen - für andere oder Sie selbst. Potsdam in 500 Teilen. Die exklusive Winteredition unseres beliebten Puzzles gibt es nur bei der MAZ. Gezeichnet vom bekannten Karikaturisten Jörg Hafemeister – mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail. Ein Muss für alle, die Potsdam lieben. Hier geht es zum Online-Shop.
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