Museumsdorf Glashütte ++ Wie familienfreundlich ist Brandenburg? ++ Bratwurst-Kunde

#105・
MAZ Raus aufs Land
107

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das Museumsdorf Glashütte ist eher beiläufig mein Freund geworden. Ich wollte eigentlich woanders hin, ins Baruther Urstromtal, weil der Name mich gereizt hat. Es ist eine Schwäche von mir, dass Namen mich ködern, und nebenbei: Gut, dass ich keine Söhne habe, denn Jungsnamen sind mir noch nie eingefallen. Dafür habe ich zwei Mädchen, Lara und Oda. Klingt fast so schön wie Urstromtal. Urstrom, da teilt sich ja die Wucht im Klang schon mit. Leider muss ich sagen, dass ich mich an diesen Ort nur schwach erinnere, denn ich war in Zeiten vor Lara und Oda dort, vor guten 25 Jahren. Für ein Urstromtal ist das nicht lang, für mich jedoch bedeutet es ein halbes Leben.
Was ich von dem Tal vor Augen habe, ist leider nicht spektakulär, der Urstrom kam nicht heran an Breite oder Kraft des Amazonas, den ich mir – sehr naiv! – ausmalte. Es gab viel Wald, das ist ja schon mal gut gewesen, denn im Grunde ist ein Wald das Beste, was passieren kann. Wenn nicht das Urstromtal als imposanter Name um den Hals gehangen hätte, der einige Erwartungen geschürt hat. Wenn eine Frau zum Beispiel Ségolène heißt, denke ich, so eine Frau gehört in einen Ballsaal, nicht hinter den Schreibtisch des Einwohnermeldeamtes. Was natürlich Unsinn ist, weil jede Frau, auch wenn sie Ségolène heißt, tun und lassen kann, was sie will. Trotz der gestreuselten Akzente über ihrem Namen.
Wie finden wir gedanklich jetzt den Weg zu dem Museumsdorf Glashütte, von dem ich anfangs sprach? Es liegt ganz nah am Urstromtal, darum bin ich drauf gestoßen, als ich das Urstromtal verließ. Das Museumsdorf Baruther Glashütte, wie es präzise heißt, ist ein technisches Denkmal im Süden des Landkreises Teltow-Fläming. Es setzt sich mit der Sozial- und Technikgeschichte des alten Glasmacher-Ortes auseinander. Das hat mich gerührt, weil ich früher, im einstelligen Alter, im Urlaub eine bayerische Glashütte mit meinen Eltern besuchte, die Bläser bliesen kleine Tiere, die man kaufen konnte. Meine Eltern holten mir ein kleines grünes Schwein, das aber auch als Hund, Ziege oder Einhorn durchgegangen wäre. Glasblasen ist ein aussterbendes Handwerk, man darf da nicht so kritisch sein, es geht hier eher um eine Geste als um den präzisen Körperbau.
Im brandenburgischen Museumsdorf Glashütte habe ich kein Schwein gekauft, auch nicht für Lara und Oda, doch ich bin dort wie durch eine Westernstadt gelaufen, neulich wieder auf der Feier meiner Schwiegermutter, denn der Ort roch nach Vergangenheit, nach Abenteuer, gutem Handwerk und Bratwurst. Das alles hat sich halb als Traum und halb als Wirklichkeit in mir gespeichert. Vielleicht sind das die schönsten Orte, von denen man nicht mehr präzise weiß, ob man überhaupt mal dort gewesen ist.
In diesem Newsletter stelle ich Ihnen eine Route durch das Dorf der Glasbläser vor, die ganz bestimmt real ist, und reichlich Wald gehört zur Tour am Ende auch dazu. Wie im Urstromtal.
Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen!
Herzliche Grüße,
Ihr Lars Grote
MAZ-Autor
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Große MAZ-Umfrage zur Familienfreundlichkeit in Brandenburg

Per Klick aufs Bild geht es direkt zur Umfrage.
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​Der Familienkompass ist eine landesweite Umfrage zur Kinder- und Familienfreundlichkeit in Brandenburg. Er ist ein gemeinsames Projekt der Märkischen Allgemeinen, der Lausitzer Rundschau und der Märkischen Oderzeitung. ​Die Umfrage ist anonym und findet ausschließlich im Internet statt. Den Fragebogen finden Sie unter www.maz-online.de/familienJeder ab 18 Jahren kann sich beteiligen. Die Befragung läuft bis Anfang Juli. Die Ergebnisse werden wir dann im Herbst in der MAZ präsentieren. Und: Natürlich können Sie auch etwas gewinnen. Schauen Sie doch mal rein!
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Ausflug der Woche: Museumsdorf Glashütte

Blick ins Museumsdorf Glashütte. Foto: Karen Grunow
Blick ins Museumsdorf Glashütte. Foto: Karen Grunow
Das Museumsdorf Glashütte, östlich von Baruth, setzt sich mit der Sozial- und Technikgeschichte des alten Glasmacher-Ortes auseinander, der im Süden des Landkreises Teltow-Fläming liegt. Im Dorf selbst haben sich zahlreiche Handwerker und Gewerbetreibende niedergelassen.
Wir starten unseren gut neun Kilometer langen Rundweg auf dem Parkplatz östlich vor dem Ortseingang von Glashütte. Zu Fuß laufen wir entlang des Hüttenweges durch das Dorf, wir kommen vorbei an der Museumsherberge, dem Steinspielplatz, der Töpferei, vor allem an viel altem, charmantem Industriebestand. Wir lassen das Museumsdorf hinter uns und folgen dem Weg bis nach Klasdorf, hier nehmen wir die Klasdorfer Bahnhofstraße und erreichen bald den Bahnhof Klasdorf-Glashütte.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Wir biegen ab nach links, laufen entlang der Gleise, doch verlassen sie bald und folgen dem ersten Weg nach links. Zweimal überqueren wir die Klasdorfer Straße, die verzweigt durch das Gelände führt. Wenn wir diesem Weg folgen, kommen wir zurück ins Museumsdorf.
Die Gegend vor dem Dorfeingang bietet uns Möglichkeiten, andere Varianten zu wählen, so können wir zum Beispiel rechts abbiegen, gleich zu Beginn des Waldes, um zwischen dichten Bäum in Ruhe zurück zum Parkplatz zu gelangen, ohne abermals durchs Dorf zu laufen. Dadurch würde man jedoch die schönen Gasthöfe verpassen, die einem wieder auf die Beine helfen nach der Wanderung.
Tipp: Mit unserer Routenbeschreibung und der Wanderkarte haben Sie alles, was Sie für diese Tour benötigen. Wer weitere Details sucht, findet sie unter komoot.de
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Landesgartenschau Beelitz 2022

Unter dem Motto “Ein Gartenfest für alle Sinne” vom 14. April bis 31. Oktober. Weitere Infos…
Ab Juni täglich von 9.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.
Ab Juni täglich von 9.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.
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Brandenburg für Genießer

Grillzeit ist Bratwurstzeit. Foto:  YAY Images/Imago
Grillzeit ist Bratwurstzeit. Foto: YAY Images/Imago
Ich sprach von der Bratwurst, die ich rieche, wenn ich durch das Museumsdorf Glashütte laufe, wie in einem Western. Nutzen wir die Gelegenheit zu einem Rundblick auf die Bratwurst, zu einer kleinen Wurstkunde. Auch wenn ich kein Fleisch mehr essen, es gibt ja die vegetarische Variante.
Im Stadion, auf der Kirmes oder dem Dorffest – die Bratwurst gehört zum kulinarischen Fest-Inventar. Besonders beliebt ist die deftige Speise außerhalb Deutschlands bei den Amerikanern. Mittlerweile kommen aber auch Vegetarier und Veganer auf ihre Bratwurst-Kosten.
Knisternde Kohlen und ein beißendes Zischen vom Fett, das auf den glühenden Rost tropft – Sommerzeit ist in Deutschland auch Grillzeit. Ein Klassiker der Grillkultur darf da nicht fehlen: die Bratwurst. 150 verschiedene Sorten samt Variationen wie Grobe und Feine gebe es, erklärt der Vorsitzende des Vereins Freunde der Thüringer Bratwurst, Uwe Keith. Der Verein forschte in rund 200 Werken zur Geschichte der Bratwurst. Im Jahr 1404 wurde sie demnach im Rechnungsdokument eines Klosters erwähnt. Mehr als 600 Jahre alt dürfte die Bratwurst somit sein.
Auch in den USA ist sie beliebt. Das Wort “Bratwurst” schaffte es dort in den Sprachgebrauch. Auf dem kulinarischen Kalender ist sie ebenfalls zu finden, weshalb am 16. August der Tag der Bratwurst gefeiert wird – natürlich auch in Deutschland.
Vegane Würstchen? Kein Problem! Foto:  Frank Sorge/Imago
Vegane Würstchen? Kein Problem! Foto: Frank Sorge/Imago
Neben Klassikern wie der Thüringer oder Nürnberger Rostbratwurst landen mittlerweile immer öfter vegetarische und vegane Alternativen auf dem Grill. In den USA kauften die Menschen nach Angaben des Interessenverbands Proveg im Jahr 2019 gut 40 Prozent mehr pflanzliche Bratwürste als im Vorjahr 2018. 159 Millionen Dollar (rund 134,13 Millionen Euro) gaben sie dafür aus. Belastbare Zahlen für Deutschland gibt es für die Veggi-Bratwürste nicht.
Von der Currywurst über Nürnberger und Thüringer bis zur Schinkenbratwurst – die Bratwurst gibt es in sämtlichen Fleischersatz-Varianten. Laut Proveg verwenden die Hersteller dafür meist Erbsen, Weizen, Hafer, Soja oder Lupinen.
Über die jahrhundertealte Fleisch-Bratwurst ist dagegen mehr bekannt. Drei Kilogramm davon aßen die Menschen in Deutschland durchschnittlich pro Kopf im Jahr 2018, wie der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) mitteilte. Kunden kaufen sie immer häufiger. Im Jahr 1990 machten Bratwürste noch 4,3 Prozent der gekauften Fleisch- und Wurstwaren aus. 2018 lag der Anteil mit 9,1 Prozent doppelt so hoch.
So sehr sie vielen auch schmecken mögen, mit Blick auf eine gesunde Ernährung sollte man die Bratwurst eher in Maßen genießen. “Die Bratwurst ist ein sehr salziges und fettreiches Lebensmittel”, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Mit 150 Gramm, also einer Portion, sei schnell etwa die Hälfte des täglichen Richtwerts für die Fettzufuhr (60 bis 80 Gramm) gedeckt. Das macht fast ein Drittel der täglichen Energiezufuhr aus. Zu den fleischlosen Alternativen hat die DGE nach eigenen Angaben keine Informationen.
Vorsicht ist auch bei der Zubereitung geboten. Egal ob beim Braten oder Grillen, auf Lebensmitteln mit verbrannten braun-schwarzen Flächen bilden sich laut Gahl krebserregende Stoffe. Die DGE rät deshalb, Bratwürste schonend zuzubereiten.
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Tipps aus der Region

Luckenwalder Turmfest: Kirmes, Markttreiben und ganz viel Musik
Fontane-Festspiele in Neuruppin: Lesefest zu Pfingsten
Barkas, Bremsen und Benzin: Oldtimer rollen zur Burg Ziesar
Flugshow und Führungen zu Pfingsten im Wildpark Baruth
Brandenburg an der Havel: Neuer Spielplan fürs Theater liegt vor
Große Weißnasenmeerkatzen nun im Tierpark Germendorf
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MAZ-Quiz: Wie gut kennen Sie sich mit dem Grillen aus?

Per Klick aufs Bild geht es direkt zum Quiz.
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Die Grillsaison 2022 hat längst begonnen. Je näher der Sommer rückt, desto voller wird es vor dem Grillgut-Regal im Supermarkt. Wie gut kennen Sie sich mit Grillanzünder, Bratwurst und Gasgrills aus? Testen Sie Ihr Wissen im MAZ-Grill-Quiz - und gewinnen Sie einen von zehn Tischgrills samt Grillbesteck!
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Raus in den Garten

Wer Stauden wie die Flammenblume (Phlox) jetzt schneidet, fördert deren Wuchs und verlängert ihre Blütezeit. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Wer Stauden wie die Flammenblume (Phlox) jetzt schneidet, fördert deren Wuchs und verlängert ihre Blütezeit. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Haben Sie schon mal vom Chelsea Chop gehört? Falls nicht: Diese Schnitttechnik aus dem gartenvernarrten England sorgt für längere Blüte und einen buschigeren Wuchs von Stauden. Ein großer Vorteil, denn viele Stauden brauchen sonst zum Saisonhöhepunkt eine Stütze, damit sie nicht auseinanderfallen.
Und so funktioniert das Ganze: Anfang Juni werden einige Triebe der Stauden um etwa ein Drittel gekürzt - auch, wenn sie schon Knospen gebildet haben. Die gekappten Triebe blühen dann später als die ungekürzten. Die Blütezeit der ganzen Staude wird damit um etwa vier bis sechs Wochen verlängert.
Geeignet für den Chelsea Chop sind folgende Arten: Sonnenhut (Rudbeckia / Echinacea), Phlox, Indianernesseln (Monarda), Hohe Fetthenne (Sedum telephium und spectabile) sowie Glattblatt- und Rauhblatt-Astern (Aster novi-belgii und novae-angliae).
Es gibt zwei Wege zum Ziel: Entweder man entfernt einige Triebspitzen verteilt über die gesamte Pflanze, was insgesamt zu dichterem Wuchs und einer längeren Blüte der ganzen Staude führt. Oder man kürzt nur die äußeren Triebe ein. Dann wird die Pflanze in sich stabiler und fällt nicht so auseinander. Dadurch kann man auf Stützen für die Stauden verzichten. Und der kürzere Neuaustrieb verdeckt manche kahlen Stängel in der Pflanzenmitte.
Der Name der Schnitttechnik geht übrigens auf eine Tradition zurück: Die Chelsea Flower Show ist ein Mekka für Gartenliebhaber im gleichnamigen Londoner Stadtteil. Da sie Ende Mai stattfindet, ist der „Chelsea Chop“ nach ihr benannt. Und „chop“ (sprich: tschopp) steht im Englischen für abschneiden oder kürzen.
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