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Märkische Dünenlandschaft++Fischsuppe++Frisches aus der Region

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
über die Zahl 15 haben Sie inzwischen einiges gelesen, jede Wette. Sie ist das Maß der Zeit, das derzeit möglich ist – 15 Kilometer vom Wohnort dürfen wir uns im Moment entfernen. Wer diese Grenze ignoriert, zahlt Strafe.
Bewegen können wir uns trotzdem, denn mal ehrlich, 15 Kilometer, das ist nicht wenig, wenn man sie auf einem Spaziergang zurücklegt. Genau genommen dürfen wir linker wie rechter Hand den Weg von 15 Kilometern einschlagen. Das macht 30! Nicht schlecht. Stimmt, ganz präzise ist das nicht, denn die 15 Kilometer gelten ab der Grenze des Landkreises oder der Stadt.
Mein Vater sagte früher: Das richtige Tempo fürs Wandern liegt bei vier Kilometern pro Stunde. Als Kind fand ich die Zahl abstrakt. Finde ich immer noch. Im Grunde ist sie wirklich hoch. Vier Kilometer! Wenn ich überlege, wie gut ich meine Nachbarschaft in einem Radius von vier Kilometern kenne, dann muss ich eingestehen: Es gibt sehr viele unbekannte Orte, die mir auf diesem Fußweg von guten 60 Minuten auffallen würden.
Es ist die Zeit der Heimatkunde, was immer etwas altvertrauter klingt, als es tatsächlich ist. Das wäre ein neues Gesellschaftsspiel: Wie viele unbekannte Schaufenster, Weiden, Waldlichtungen, Oldtimer oder Menschen mit einem freundlichen Gesicht finden wir, wenn wir streng 15 Kilometer geradeaus wandern? Nach der Rechnung meines Vaters bräuchten wir für diesen Weg wohl knapp vier Stunden. Es wäre eine Heimatforschung in privater Sache.
Kleiner Tipp von meiner Tochter, mit der ich übrigens viel Zeit zu Hause verbringe, weil auch ihre zweite Klasse im Moment geschlossen ist: Nachts macht das Wandern noch mehr Spaß, sagt sie. Nachts, das heißt für sie, nach Sonnenuntergang. Hauptsache, es ist dunkel. Derzeit also gegen 17 Uhr. Eine Nachtwanderung ist wie ein Blindflug. Sie sagt, wenn sie im Dunkeln draußen sei, fühlen sich die Schritte schneller an. Auch wenn sie langsam trabt, glaube sie, dass sie fast renne. Relativitätstheorie einer Siebenjährigen.
Unser Ausflug der Woche ist, mit Blick auf die Zahl 15, vielleicht kein Blindflug, aber eine Investition in die Zukunft. Wenn das wieder möglich ist, fahren Sie nach Bad Saarow (Oder-Spree) und wandern Sie nach Storkow! Die Distanz liegt bei 14 Kilometern. Als ich selbst sieben war, habe ich irrsinnig gerne Straßenkarten angeschaut, um mir auszumalen, wie es dort im echten Leben aussieht. Vielleicht wäre das ein Ansatz, sich unserem Ausflug der Woche zu nähern. Bis er endlich real erfahrbar wird, und die Zahl 15 wieder eine unter vielen ist.
Wenn Sie einen Garten vor der Haustür haben, brauchen Sie keine 15 Kilometer, sondern vielleicht knappe 15 Meter bis zum Abenteuer. Was Sie Ihrem Garten im Januar Gutes tun können, finden Sie unten in diesem Newsletter.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Herzliche Grüße, Ihr
Lars Grote
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Von Bad Saarow nach Storkow

Die Binnendüne Waltersberge. Foto: Seenland Oder-Spree/Christoph Creuzburg
Die Binnendüne Waltersberge. Foto: Seenland Oder-Spree/Christoph Creuzburg
Wir wandern los am Bahnhof von Bad Saarow-Pieskow, er wurde 1911/12 errichtet. 14 Kilometer liegen vor uns bis zur Schlossstadt Storkow, von dort kann man mit der Bahn zurückreisen. In Bad Saarow überqueren wir den Bahnhofsplatz, vor ihm liegt die Ulmenstraße.
Dort finden wir die Blaupunktmarkierung des 66-Seen-Wanderwegs, die links in den Kurpark leitet, der uns am herrlichen Ufer des Scharmützelsees rechts zur Anlegestelle der Ausflugsschiffe führt. Natürlich herrscht dort derzeit Stillstand.
Am Anleger verlässt der 66-Seen-Weg das Ufer, er führt aufwärts zum Parkplatz. Dort halten wir uns links und wechseln wenig später an der Bushaltestelle Lindenstraße auf einen Waldweg oberhalb der Häuser.
Auf dem Friedhofsweg verlässt der Wanderweg beim Gehöft Marienhöhe den Wald, kehrt aber bald in Waldgebiet zurück und erreicht das Ufer des Großen Kolpiner Sees. Er ist um die 24 Hektar groß und drei Meter tief. Hier ist das Angeln auch vom Boot und in der Nacht erlaubt, Aal, Barsch, Brassen, Hecht, Karpfen, Rotauge, Rotfeder, Schleie und Zander tummeln sich hier. Sollten Sie selbst gerne die Rute auswerfen und Glück haben: weiter unten finden Sie das passende Rezept.
Unsere Wanderung folgt dem Ufer rechts herum, der Weg mündet an der Haltestelle Kolpin-Stadion in die Hauptstraße und folgt ihr links ins Zentrum von Kolpin, an der Verzweigung links Richtung Reichenwalde am Kleinen Kolpiner See entlang.
In Ufernähe laufen wir ostwärts, bis rechts der Sandweg Am Forst/Triftweg abzweigt und nach Reichenwalde führt. Der Weg mündet in die Hauptstraße, dort rechts entlang, gleich darauf links in die Feldflur.
Der große Kolpiner See ist ein Paradies für Angler. Foto: Florian Läufer/Tourismus Seenland Oder-Spree
Der große Kolpiner See ist ein Paradies für Angler. Foto: Florian Läufer/Tourismus Seenland Oder-Spree
Eine längere Waldwanderung folgt. Fern der Küste, aber unweit des Sees türmt sich dann mit einem Mal fast unwirklich die Binnendüne Waltersberge auf. Der Blick von der 32 Meter hohen Spitze auf den Storkower See gehört wohl zu den schönsten Aussichten im Naturpark Dahme-Heideseen. Knorrige Kiefern, offene Sandflächen und schüttere Trockenrasen bestimmen das Bild.
Wer die Düne hinabsteigt, sieht das Restaurant “Alter Weinberg”, das daran erinnert, dass Teile der Düne einst als Weinberg genutzt wurden. Die Reichenwalder Straße führt ortseinwärts nach Storkow. Der Ort bietet eine hübsche Stadtkirche aus dem 14. Jahrhundert und eine über 800 Jahre alte Burg. Von hier kann man die Bahn zurück nehmen.
Wem die 14 Kilometer von Bad Saarow aus zu lang sind, der kann auch von Storkow aus starten und eine sieben Kilometer lange Rundwanderung zur Binnendüne machen, die wieder in Storkow endet. Weitere Infos dazu gibt es hier.
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Brandenburg für Genießer

Wer möchte, kann das Rezept auch um Garnelen oder Flusskrebsschwänze erweitern. Foto: Chefkoch
Wer möchte, kann das Rezept auch um Garnelen oder Flusskrebsschwänze erweitern. Foto: Chefkoch
Diese Brandenburger Fischsuppe verarbeitet die kleinen Fische der Mark. Eine einfache, aber leckere Suppe!
Zutaten für vier Personen:
  • 1 kg kleine Fische (zu denen in Brandenburg z.B. Rotfeder, Plötze, Schneider, Ukelei, Gründlinge und Stichlinge gehören)
  • 1 große Zwiebel
  • 2 EL Mehl
  • 2 EL Butter
  • 1 TL Salz
  • 1 Prise gemahlener Pfeffer
  • 2 EL Saure Sahne
  • 1 Eigelb
  • 1,5 Brötchen, gewürfelt, vom Vortag
  • 2 EL gehackte Petersilie
  • 20 g Butter
Zubereitung:
Küchenfertige Fische abspülen. Die Zwiebel abziehen und würfeln und mit den Fischen in einen großen Topf geben. Alles mit kaltem Wasser bedecken, zum Kochen bringen und dann bei niedriger Hitze etwa 15-20 Minuten ziehen lassen.
Fisch anschließend aus dem Kochsud heben, von Haut und Gräten befreien und das Fischfleisch durch ein feines Haarsieb in eine Schüssel streichen.
Butter in Topf erhitzen, das Mehl darüber stäuben und 5 Minuten hell anschwitzen. Dann den feinen Fischbrei in die Mehlschwitze rühren, Fischbrühe durch ein feines Sieb dazu gießen und unter Rühren aufkochen.
Salz und Pfeffer dazu geben, Suppe unter ständigem Rühren etwa 10 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln.
Eigelb mit der sauren Sahne verrühren, die Brandenburger Fischsuppe vom Herd ziehen und mit der Eiersahne legieren. Zuletzt ein Stück Butter in die heiße Suppe rühren.
Für die Garnitur die Butter in einer Pfanne erhitzen und die Brötchenwürfel darin 5 Minuten lang knusprig rösten. Die Brotwürfel und die gehackte Petersilie über die Suppe streuen und sofort servieren. Guten Appetit!
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Tipps aus der Region

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Raus in den Garten

Noch hängende alte Früchte müssen nun runter vom Baum. Foto: dpa
Noch hängende alte Früchte müssen nun runter vom Baum. Foto: dpa
Auf den Beeten ist jetzt Ruhe eingekehrt. Für die nächsten Tage sind sogar empfindliche Nachtfröste angesagt. Dennoch stehen im Januar einige Arbeiten im Garten an. Dabei ist einiges zu beachten:
Obstgehölze auf keinen Fall bei starkem Frost schneiden, dies führt zu Quetschwunden an den Schnittstellen.
Junge Obstbäume bei Bedarf mit einer Drahtmanschette gegen Tierfraß und Katzenkrallen schützen.
• Noch an den Obstbäumen (Apfel, Pflaume, Kirsche) haftende, von Monilia befallene Fruchtmumien entfernen, da von ihnen im Frühjahr erneut eine Pilzinfektion ausgeht.
Frostempfindliche Kräuter wie Salbei, Thymian, Weinraute und Ysop bei stärkerem Frost mit Reisig schützen.
• Zweige der ausgeräumten Weihnachtsbäume bieten sich zum Abdecken frostgefährdeter Sträucher und Stauden wie Margerite oder Lavendel an.
• Nach ergiebigen Schneefällen diese Last von den Gehölzen abschütteln.
• An frostfreien Tagen können überalterte und störende Äste an den Ziersträuchern entfernt werden.
Die MAZ wünscht viel Spaß und Erfolg beim Gärtnern!
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Fundstück der Woche

Marktschwärmerei im Rechenzentrum: Maja Rotter (l.) und Nicola Spehar mit Abholkisten.
Marktschwärmerei im Rechenzentrum: Maja Rotter (l.) und Nicola Spehar mit Abholkisten.
„Woher kommen eigentlich das Gemüse, der Käse, die Wurst, die ich kaufe und esse?“ Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen. Seit Dezember können Kunden auf diese Frage in Potsdam nicht nur eine Antwort bekommen. Sie können die Erzeuger sogar persönlich kennenlernen. Möglich machen das Maja Rotter und Nicola Spehar mit ihrer Marktschwärmerei im Foyer des Potsdamer Rechenzentrums.
Die Marktschwärmer-Idee stammt ursprünglich aus Frankreich. Seit 2014 fasst sie auch in Deutschland Fuß. Rotter und Spehar sind die ersten Gastgeberinnen in Potsdam. „Wir kaufen selbst gern regional ein, achten zudem auf saisonale Produkte“, so Rotter. Die Babelsbergerinnen fanden die Marktschwärmer-Idee so überzeugend, dass sie sich entschlossen, selbst mitzumachen. 16 Erzeuger aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt konnten sie bisher für ihren Markt gewinnen, 39 Kunden waren bei der ersten Verkaufsveranstaltung dabei.
Heidemarie Knappe verkauft ihre Öle und Aufstriche im Rechenzentrum.
Heidemarie Knappe verkauft ihre Öle und Aufstriche im Rechenzentrum.
Für diese funktioniert das System ganz einfach. Sie registrieren sich auf der Plattform marktschwaermer.de und gehen damit eine unverbindliche Mitgliedschaft ein, die nichts kostet. Vier bis fünf Tage vor dem Markttag sind die Angebote der jeweiligen Woche zu sehen. Die Mitglieder können sie online bestellen und bezahlen. Das ist bis zwei Tage vor dem Markttag möglich. Am Markttag selbst kann jeder seine Tüten im Foyer des Rechenzentrums in der Dortustrasse abholen.
So kann man in Ruhe zu Hause planen und muss sich in keiner langen Warteschlange auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt anstellen. Und unterstützt mit seinen Einkäufen lokale landwirtschaftliche Erzeuger. Diese wiederum brauchen nur das herzustellen, was auch bestellt ist. Das spart Kühl- und Transportkosten. Ware wieder mit zurücknehmen oder womöglich vernichten zu müssen, ist so ausgeschlossen.
Das aktuelle Sortiment in Potsdam umfasst 261 Produkte. Dazu gehören unter anderem verschiedene Essigsorten, wie der Apfel- oder Himbeeressig aus eigener Obsternte vom Göhlsdorfer Hof in Kloster Lehnin. Honig steuert Annette Sekine von der Kleinen Imkerei im Fläming aus Bad Belzig bei. Fruchtaufstriche und -gelees hat Heidemarie Knappe von der Kräuterwerkstatt Schwielowsee im Angebot.
Anja Koch von der Fläminger Weideschwein GbR.
Anja Koch von der Fläminger Weideschwein GbR.
Anja Koch von der Fläminger Weideschwein GbR aus Bad Belzig bietet Wurst an. Ihre Schweine wachsen im Freiland auf. „Für mich ist die Marktschwärmerei eine gute Möglichkeit, einen weiteren Markt zu bedienen“, sagt die Landwirtin. Sieben Kunden haben bei der ersten Ausgabe ihr Wurst bestellt. Der Renner ist die im Glas. Ab Januar, wenn bei ihr wieder geschlachtet wird, können die Kunden auch Fleisch kaufen.
Das Gemüseangebot ist der Jahreszeit entsprechend im Moment noch klein. Ab dem Frühling ändere sich das, weiß Maja Rotter. Sie freue sich schon auf die wunderbaren alten Tomatensorten, die eine Bäuerin aus Paretz anbieten werde. Der nächste Markttag ist am Dienstag von 17 bis 19 Uhr. Text und Fotos: Elvira Minack
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