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Italien in Potsdam++Blumenkohl neapolitanisch++Kräutergarten

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es wird immer schöner! Wieso? Nun, die Tage werden länger und wärmer, die Sonne hellt unser Gemüt förmlich auf - und vor allem gibt es gute Nachrichten. So wurde uns am Anfang dieser Woche mit vorsichtigen Öffnungen etwas Normalität geschenkt. Zumindest hatte ich am Montag keine Schwierigkeiten, zum Internationalen Frauentag einige hübsche Gerbera zu erstehen und Kolleginnen zu beschenken. Ganz ohne Risiko ist das Anfahren des öffentlichen Lebens natürlich nicht, aber es kommt ja auch langsam die Verteilung des Impfstoffes voran.
Ich lese, dass gut fünf Prozent der Bevölkerung in Brandenburg zumindest eine Impfung erhalten haben. Das geht besser - Brandenburg ist hier bundesweit Schlusslicht -, ist aber immerhin ein Anfang. Außerdem verdichten sich die Hinweise, dass die pharmazeutischen Erzeugnisse die Geimpften auch selbst weniger ansteckend machen. Mit anderen Worten: Die Freiheit rückt näher - und damit unsere gewohnte Art zu leben, die wir vor fast genau einem Jahr aufgeben mussten.
Gut, Sie mögen mich für einen unverbesserlichen Optimisten halten, aber ohne die Welt ein klein wenig bunter zu malen, als sie tatsächlich ist, ist der Alltag, gerade auch der gegenwärtige, nur schwer zu bewältigen. Deshalb ist die Kunst der maßvollen Schönfärberei gar nicht zu verachten.
Die Dinge ein klein wenig idealer darzustellen, als sie tatsächlich sind, beherrschen insbesondere die Italiener. Oder glauben Sie im Ernst, das Dolce Vita, das wir diesseits der Alpen feiern, hätte es im Land “wo die Zitronen blühn” in dieser Reinform jemals gegeben? Was es tatsächlich gab, waren Ränkespiele, Armut, Verbrechen und nicht zuletzt immer wieder verheerende Erdbeben. Aber was haben die Italiener daraus gemacht?
Die Renaissance brachte einige der bedeutendsten Kunstwerke Europas hervor, die armen Leute erfanden die einfache, gesunde und doch so köstliche mediterrane Kochkunst und das Verbrechen regte zu großen Dramen und Filmen an.
Doch warum verbreite ich mich hier so sehr über italienische Lebenskunst? Ganz einfach: Trotz vorsichtiger Lockerungen ist es immer noch schwierig, unser Motto “Raus aufs Land” wörtlich zu nehmen. Man muss sich die Sehnsuchtsorte stattdessen meist immer noch herbei träumen. Da haben die Bauherren gerade in Brandenburgs Landeshauptstadt einige Vorarbeitet geleistet. “Italien in Potsdam” ist nicht nur im Deutschen Kunstverlag ein Begriff.
Man muss nur einmal mit offenen Augen herumgehen, wie viel mediterranes Flair die hiesige Architektur verbreitet. Damit es nicht nur beim Augenschmaus bleibt, soll die ganze Ausgabe dieser Woche etwas italienische Schlagseite bekommen - auch im kulinarischen Sinne, wie Sie weiter unten bei unseren Fundstücken aus Küche und Keller sehen werden. Damit wollen wir buchstäblich einen Vorgeschmack auf das geben, was vielleicht schon ab Herbst wieder möglich sein wird: “Raus aufs Land”. Dieses Land darf nach so vielen Monaten der Entbehrung dann auch ausnahmsweise mal die Toskana sein.
Herzliche Grüße!
Ihr
Rüdiger Braun
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Italienischer Stadtrundgang in Potsdam

Das Museum Barberini am Alten Markt - hier beginnt unser Stadtrundgang. Foto: Soeren Stache/dpa
Das Museum Barberini am Alten Markt - hier beginnt unser Stadtrundgang. Foto: Soeren Stache/dpa
Es gibt in Potsdam ein Holländisches Viertel - aber kein Italienisches. Dabei gibt es gewaltige italienische Einflüsse in der Landeshauptstadt. Im Grunde sind einige der architektonischen Highlights Potsdams von Italien inspiriert. Zahlreiche Villen mit Geschlechtertürmen in der City machen das deutlich. Vor allem große Prachtbauten verdanken ihre Existenz italienischen Vorbildern. Sie sind überall in der Stadt verteilt. Daher lohnt sich gerade im Frühjahr ein italienischer Stadtrundgang, den das Museum Barberini in seiner App als Tour gestaltet hat. Wir widmen uns hier einigen der wichtigsten Ziele.
Beginnen wir unsere Reise am Alten Markt, vielmehr an dessen Rekonstruktion. Als Ausgangspunkt eignet sich das Museum Barberini selbst. Wer mit der Bahn nach Potsdam kommt, muss vom Hauptbahnhof nur ein paar Schritte hinüberlaufen. Es ist der Nachbau eines Nachbaus, der 1945 zerstört wurde. Auf Anregung Friedrichs II. war 1772 ein auf dem Alten Markt stehendes Haus mit einer Fassade verblendet worden, damit es einem Palazzo in Rom ähnelte. Das Stadtschloss, die älteste Hohenzollern-Residenz in Potsdam, sollte dadurch eine wirkungsvolle Nachbarschaft bekommen. 
Die Tour kann uns dann einmal quer durch die Innenstadt in den Park Sanssouci führen. Dieser verdankt, wie andere Parks Potsdams, seine Erscheinung in vielerlei Hinsicht italienischen Vorbildern. Die Neptungrotte (1751) an der Nordostseite des Parks zum Beispiel ist mit ihrem blendendem weißen Marmor ein recht ansehnlicher Miniaturersatz für den berühmten Trevi-Brunnen in Rom. Ebenfalls im Park Sanssouci findet sich der Sizilianische Garten, der in seiner Anlage wiederum dem Neptunbrunnen in der Papstresidenz Castel Gandolfo nachgebildet ist.
Italienisch inspiriert ist sogar der namensgebende Bau der Anlage. Friedrich II. hatte das Leben in einem italienischen Landhaus im Sinn, als er 1744 eigenhändig sein Sanssouci als Weinbergschlösschen skizzierte. Das mediterran inspirierte Gesamtkunstwerk beruft sich auf Bacchus, den Römischen Gott des Weines.
Die Römischen Bäder im Park Sanssouci. Foto: Bernd Gartenschläger
Die Römischen Bäder im Park Sanssouci. Foto: Bernd Gartenschläger
Hinter Schloss Sanssouci erblicken wir den Ruinenberg. Weil Rom für das friderizianische Potsdam das Maß aller Dinge blieb, hielt auch der Ruinenkult rund um das Forum Romanum in Preußen Einzug. Von 1748 an bis ins Jahr 1842 wurde auf dem Hügel gewerkelt. Heute sehen wir dort immer noch eine Staffage aus antikisierenden Säulen, die malerisch wie der Castortempel in Rom wirken, dazu einen vorgeblichen Rundtempel und eine Fassade, die so löchrig ist wie das Colosseum in Rom.
Das “Romfieber” packte nach eigener Aussage auch Friedrich Wilhelm IV., einen Nachkommen von Friedrichs Großneffen. Ihm hat Potsdam die meisten und größten italienischen Ausrufezeichen zu verdanken. 1828 bereiste er als Kronprinz die Ewige Stadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon den Auftrag erteilt, Schloss Charlottenhof als klassizistisches Kleinod herzurichten.
Baumeister Karl Friedrich Schinkel orientierte sich dabei an den Villen in Rom, aber auch an der gerade in Pompeji ausgegrabenen Villa des Diomedes. Die 1840 vollendeten und nicht weit davon entfernten Römischen Bäder entführen uns schon aus der Ferne auf ein italienisches Landgut. Vorbilder waren Güter aus dem 15. Jahrhundert. Heute würden wir das ganze Ensemble allerdings eher einen “Fake” nennen. Der Komplex folgt keinem realen Vorbild, sondern ist eine gefällige Spielerei mit vielen Elementen.
Die Orangerie im Park Sanssouci. Foto: Patricia Müller
Die Orangerie im Park Sanssouci. Foto: Patricia Müller
Authentischer ist da schon die monumentale Anlage jenseits der Maulbeerallee. Für das Orangerieschloss (1864), einen prunkvollen Bau mit zwei Türmen, verbunden durch eine begehbare Kolonnade, stand nämlich die Villa Medici in Rom Pate.
Bleibt vor dem Rückweg ins Stadtzentrum noch etwas Zeit, kann man sich nach Nordosten auf den Pfingstberg wagen. Dort findet man das große Belvedere aus dem Jahre 1863. Die Doppelturmanlage soll mit ihren Kolonnaden das 1585 erbaute Casino des Palazzo Farnese bei Rom als Anregung gehabt haben.
Das Belvedere auf dem Potsdamer Pfingstberg. Foto: SPSG/Leo Seidel
Das Belvedere auf dem Potsdamer Pfingstberg. Foto: SPSG/Leo Seidel
Zurück im Zentrum ist die Französische Kirche von Interesse. Der 1751 fertig gestellte Bau sollte zwar der französisch-reformierten Gemeinde in Potsdam dienen, architektonisch dachte Friedrich II. jedoch an das Pantheon in Rom. Der aufgeklärte Religionsskeptiker liebte das Pantheon besonders, da es allen Göttern geweiht war.
Ein kleines Stück weiter davon entfernt im Südwesten gibt es schließlich das mit vier Säulen gestaltete Eingangsportal des Potsdamer Kutschstalls aus dem Jahr 1790. Auch dieses wie ein Triumphtor gestaltete und mit einer Quadriga versehene Portal ist ein Anklang an Rom. Doch bei dem von Pferden gezogenen Streitwagen erlaubte sich die Nachwelt nach dem Tod Friedrichs II. einen Scherz: Sie hat den charismatischen Leibkutscher des Alten Fritzen ins Bild gesetzt.
Sehr viele Wege in Potsdam führen also zumindest visuell nach Rom oder in die Toskana. Doch selbst wenn sie tatsächlich immer in der Landeshauptstadt enden - auch dort ist es bis zum nächsten Italiener meist nicht weit.
Sie haben Lust auf weitere Spaziergänge durch die Landeshauptstadt? Hier gibt es eine große Auswahl.
Brandenburg für Genießer

Foto: Andrea Warnecke/dpa
Foto: Andrea Warnecke/dpa
Böse Zungen würden sagen, Blumenkohl auf neapolitanische Art zubereitet sei doch nur eine Pizza ohne Boden. “Ja, und wenn schon”, könnte man erwidern. Damit sind schon ein paar Kohlenhydrate gespart und ein paar Vitamine gewonnen. Wer würde eine leckere vegetarische Spezialität aus dem Süden schon verachten?
Das brauchen Sie:
  • Olivenöl
  • Knoblauch
  • Salz
  • ¼ Zwiebel
  • 2 Stücke Mozzarella von je 125 Gramm
  • 700 Gramm Blumenkohl
  • 300 Gramm passierte Tomaten
  • schwarzer Pfeffer
  • 30 Gramm Parmesankäse
Und so wird es gemacht:
Geben Sie den geputzten Blumenkohl in reichlich kochendes Salzwasser. Lassen Sie ihn zehn Minuten kochen. Wenn er gar ist, abtropfen lassen und in Röschen aufteilen. Schmoren Sie die geschälte Zwiebel und den Knoblauch in einem Kochtopf mit drei Esslöffeln Öl an und geben Sie dann die passierten Tomaten hinzu. Würzen Sie die Sauce mit einer Prise Salz und Pfeffer und lassen Sie sie bei mittlerer Hitze etwa 15 Minuten lang köcheln. In der Zwischenzeit können Sie den Mozzarella in Würfel schneiden und abtropfen lassen.
Nun geben Sie die Blumenkohl-Röschen in eine mit zwei Esslöffeln Öl gefettete feuerfeste Form und decken Sie sie mit den Mozzarellawürfeln ab. Darüber schütten Sie die Tomatensauce, bestreuen das Ganze mit dem Parmesankäse und würzen alles mit dem verbliebenen Öl.
Die feuerfeste Form wird jetzt mit Alufolie abgedeckt und in den auf 200°C vorgeheizten Backofen gegeben. Den Mozzarella-Blumenkohl eine halbe Stunde lang backen. Die Folie in den letzten fünf Minuten entfernen.
Nach dem Backen die Form ein klein wenig abkühlen lassen und dann den Blumenkohl servieren. Das schmeckt nach Urlaub!
Raus in den Garten

Foto: pusteflower9024/Stock.Adobe
Foto: pusteflower9024/Stock.Adobe
Oregano ist ein echter Pizza-Typ. Auch auf der Pasta sorgt das Kraut für italienische Momente. Es ist in Südeuropa beheimatet und hat sich im Mittelalter über die Klostergärten in ganz Europa verbreitet. Es wird auch Staudenmajoran genannt - schließlich handelt es sich um eine ausdauernde Pflanze. Die Blätter sind mit vielen kleinen Drüsen bedeckt, die ein ätherisches Öl enthalten. Von Juli bis September blüht die Pflanze mit rosa bis weißen Scheinähren.
Im Garten kann der Oregano ausgesät werden; einfacher ist es jedoch, sich jetzt im Frühjahr getopfte Jungpflanzen zu kaufen. Damit er sich bei uns auch wie zu Hause fühlt, erhält der geschmackvolle Südländer einen vollsonnigen Standort auf mäßig trockenem, kalkreichem Boden.
Wegen seiner Blütenpracht lässt sich Oregano ebenso wie Thymian, Rosmarin und Salbei auch gut in den Steingarten integrieren. Zwei bis drei Pflanzen reichen für einen Haushalt völlig aus. Da sich Oregano stark ausbreitet, kann der Wurzelstock im Herbst mehrmals geteilt werden.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kräutern, die vorher geerntet werden, entfaltet der Oregano sein ganzes Aroma erst während der Blüte. Bei sonnigem Wetter wird das gesamte Kraut handhoch über dem Boden abgeschnitten, gebündelt und an einem schattigen, trockenen Platz aufgehängt. Lassen sich die Zweige knackend durchbrechen, ist das Trocknen beendet. Die Blätter werden von den Ästen gestreift und fest verschlossen in dunklen Gefäßen aufbewahrt.
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Fundstück der Woche

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Wein gehört zu Italien einfach dazu. Wer aber hätte gedacht, dass man auf der Suche nach ungewöhnlichen italienischen Weinspezialitäten auch in Brandenburg fündig werden kann? Natürlich werden die köstlichen Sorten hier nicht hergestellt, wohl aber vertrieben, zum Beispiel im Weinkontor Maaß in der Friedrich-Engels-Straße 14 in Eberswalde (Barnim).
Das Kontor empfiehlt für den Monat März zwei Besonderheiten vom Weingut Ilatium Morini (Venetien): Soave und Valpolicella. Die Inhaber Gabi und Ulrich Maaß preisen beim Soave die “duftig-feine Noten von Apfel und Pfirsich”, die mit einer tollen Mineralität vereint seien. Den Weintrinker erwarte ein “frisches und außerordentlich saftiges Genusserlebnis”. Die Flasche gebe es jetzt für 9,90 Euro.
Ein sortentypisches Aroma von “Kirsch und dunkler Beere” entwickele dagegen der rote Valpolicella. Intensiv und gefällig, charmant und “überaus saftig am Gaumen” sei dieser kräftige Wein, der uns den Lockdown für einige Augenblicke vergessen lasse und uns - für 10,90 Euro die Flasche - an die Hänge dieses vor 40 Jahren gegründeten Weingutes entführe.
Indirekt kann man im Weinkontor auch wieder die Heimreise antreten, wenn man zum Beispiel ein Gläschen von Schloss Proschwitz bei Meissen genießt. Der trockene Weissburgunder soll spritzig sein und ein Aroma von exotischen Früchten versprühen. Na, denn Prost auf einen schönen - und offenen - Frühling!
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