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Es ist Pflaumenzeit++Rundweg um das Rambower Moor++Geranien über den Winter retten

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
im Oktober ist es Zeit für Pflaumen und Kastanien – so hat sich die Welt für mich als Kind geordnet, und daran halte ich mich immer noch. Auch wenn ich leider keine eigenen Pflaumen ernten kann, was mir genau genommen nie gelungen ist, weil ich keinen Pflaumenbaum in meiner Nähe habe. Früher gab es eine Tante, die hatte Zwetschgen, darum bin ich oft im Herbst zu ihr gefahren. Immer gab es Pflaumen, die auf der Wiese schon ein bisschen gärten. Das ergab einen Geruch, den ich liebe. Neulich lief ich mit einem Freund in Dresden an der Elbe entlang, da kam dieser Geruch ganz plötzlich wieder in die Nase. Und ich fühlte mich wie damals, als ich auf der Wiese Fußball spielte und der Herbst den Duft entfaltete, der nicht ganz frisch gerochen hat, aber eben sehr nach Erde und nach fruchtiger Vergänglichkeit. Das sind die Stärken des Herbstes, das sind die Spiegelstriche, mit denen er bei mir die Punkte holt.
Neulich wollte meine Freundin einen Zwetschgenkuchen backen, der mir von allen Obstkuchen der liebste ist (aber nur mit Sahne). Sie sagte, die Pflaumen, die ich aus dem Supermarkt hole, seien zwar irgendwie Pflaumen, schmeckten aber wie ein Designerprodukt. Nicht nach Zwetschge jedenfalls. Diese Pflaumen seien auch rein optisch viel zu rund. Wollte ich zunächst nicht glauben, machte mich dann auf die Suche, fand im Bioladen Zwetschgen. Ich schloss die Augen, meine Freundin steckte mir die alten und die neuen Pflaumen in den Mund, als Test. Gewonnen hat haushoch die Zwetschge.
Mit der Kastanie ist es eine andere Sache. Es gibt keine Designerkastanien. Zum Glück. Doch es gibt auch nicht mehr allzu viele Kinder, die sich für Kastanien interessieren. Das sage ich aus eigener Erfahrung. Meine kleine Tochter ist acht Jahre alt, Kastanien sind für sie nicht mehr die harte Währung, die sie einst für mich gewesen sind. Figuren, Menschen, Tiere mit Kastanien und Streichhölzern zu basteln, steht nicht mehr so hoch im Kurs. Ich bin zwar nicht bereit, daraus den Untergang des Abendlandes abzuleiten, doch es tut ein bisschen weh. Immerhin, meine Tochter mag Zwetschgenkuchen mit Sahne. Ein Charakterzug, den ich bislang nur bei guten Menschen gefunden habe.
Falls man nach Pflaumen und Kastanien sucht, ist der Oktober ein guter Monat, um in die Provinz zu fahren. Die Provinz ist längst nicht mehr verrufen, viele schmücken sich mit ihr. Zum Beispiel die Macher der “Provinziale”, die in Eberswalde ab diesem Samstag eine Woche lang stattfindet und ein schönes, gut kuratiertes Filmfestival ist.
Wer dem Herbst nicht traut, weil er manchmal eben Schwermut in sich trägt, der kehrt halt der Provinz den Rücken und fährt zum Schloss Charlottenburg, mitten in Berlin, wo die Bilder von Antoine Watteau (1684-1721) ab diesem Samstag in einer großen Ausstellung gezeigt werden. Watteau war wohl der liebste Maler Friedrichs des Großen, er hat Landschaften gemalt, die oft vom Herbst getränkt sind. Sie sind komponiert, meist lichtdurchflutet und antik. So gesehen ist das Schloss Charlottenburg der Notausgang für Menschen mit dem Anflug einer herbstlich eingefärbten Depression. Doch wenn Sie mich fragen: Die Fahrt aufs Land, die Suche nach Zwetschgen und Kastanien ist interessanter.
Selbstverständlich finden Sie in diesem Newsletter ein Rezept für Pflaumenkuchen. Auch darüber, wie Sie Geranien frostfrei durch den Winter bringen, informieren wir Sie.
Herzliche Grüße,
Ihr
Lars Grote
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Rambower Moor

Die Südseite des Rundwegs um das Rambower Moor ist für Radler und Fußgänger gut hergerichtet. (Foto: Kerstin Beck)
Die Südseite des Rundwegs um das Rambower Moor ist für Radler und Fußgänger gut hergerichtet. (Foto: Kerstin Beck)
Im Herbst sollte man in den Laubwald, um die Verfärbung zu bewundern. Es gibt unzählige Orte, um dieses Schauspiel zu verfolgen, ein besonders reizvoller ist das Rambower Moor. Der Klang von Rambo täuscht ein wenig über den sehr friedlichen, fast unscheinbaren Charakter dieser Gegend hinweg. Das Rambower Moor ist ein Durchströmungsmoor im Landkreis Prignitz nahe Lenzen. Es zählt zum Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg und hat eine Fläche von etwa 450 Hektar, vor gut 30 Jahren wurde es unter Naturschutz gestellt. Vor einigen Jahren ist das Rambower Moor von der Heinz-Sielmann-Stiftung zum schönsten Moor Deutschlands gekürt worden.
Wir beginnen unseren zwölfeinhalb Kilometer langen Rundweg an der Bushaltestelle in Rambow bei Mellen. Dort, wo die Dorfstraße von der Karstädter Straße abzweigt, liegt unser Ausgangspunkt. Wenn wir der Dorfstraße in Richtung Osten folgen, finden wir bald auf der linken Seite die schöne Rambower Dorfkirche, gut 100 Meter weiter folgen wir der Dorfstraße nach rechts, sie führt uns zum Aussichtsturm Rambower Moor, wo eine Informationstafel über den Moorblick von Rambow erzählt: “Im Frühsommer, wenn sich Hunderte Graugänse im Rambower Moor mausern, verlieren sie die Schwungfedern und sind für vier Wochen flugunfähig. Hier im Moor finden sie den nötigen Schutz.”
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zur Tour bei Komoot.
Die Dorfstraße verengt sich zu einem Naturweg, bis er vom “Winkel”, einer kleinen Straße, gekreuzt wird. Dem Winkel folgen wir und biegen bald nach links auf die Straße Am Drift ab. Nun sind wir in Nausdorf angekommen – und folgen der Drift, bis sie scharf rechts abbiegt. Dort nehmen wir links den namenlosen Wanderweg, der uns zu einem idyllischen Plätzchen am Torfsee führt. Wenn wir dem Weg folgen, finden wir eine Ruhebank mit Infotafel zu Moor und Salzstock. Bald darauf erreichen wir einen weiteren kleinen, aus Holz gezimmerten Aussichtsturm.
Wir gehen weiter und gelangen bis kurz vor das Dorf Boberow, wo wir vor dem Ortsschild links abbiegen, um beim nächsten Abzweig erneut den Weg nach links zu nehmen, der uns zur Dorfscheune führt, einem hübsch gelegenen Gasthaus. Wenn wir dem Wanderweg folgen, stoßen wir auf eine Infotafel, die uns einiges über die Mellener Mühlengeschichte erzählt. Kurz darauf gelangen wir zu den verwunschen schönen Quellen des Rambower Moors.
Bald sind wir erneut im Örtchen Rambow und gehen auf der Dorfstraße nach rechts zurück zu unserem Ausgangspunkt.
Tipp: Mit unserer Beschreibung und der Karte sind Sie bestens ausgestattet, falls Sie weitere Details zu dieser Route suchen, finden Sie alles auf komoot.de.
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Brandenburg für Genießer: Pflaumenkuchen

Herbstzeit ist Pflaumenkuchenzeit. (Symbolbild: Adobe Stock)
Herbstzeit ist Pflaumenkuchenzeit. (Symbolbild: Adobe Stock)
Es ist Zeit für Pflaumenkuchen, denn ab Spätsommer macht er die Kuchenliebhaber selig. “Prummetaat” nennen ihn die Rheinländer, in Süddeutschland heißt er “Zwetschgendatschi”. Wobei es aber auch beim Pflaumenkuchen möglichst Zwetschgen sein sollten, die auf dem Teigboden landen.
Der Grund: Zwetschgen haben im Gegensatz zu Pflaumen einen geringeren Wassergehalt. “Daher sind sie ideal zum Backen, denn sie durchnässen den Boden nicht so stark wie Pflaumen”, sagt der Konditormeister Gerhard Schenk. Er ist Präsident des Deutschen Konditorenbundes.
Von zu reifen Früchten rät er ab. “Viele scheuen sich davor, Zwetschgen zu verwenden, die außen noch ein bisschen grün aussehen.” Doch gerade die unreif aussehenden Früchte sind es, die beim Backen ein tolles Aroma entwickeln.
Wichtig ist der Teig: Mürbeteig schmeckt vielen gut, aber er weicht schnell auf. “Ideal ist ein Hefeteig”, findet Kochbuchautorin Christa Schmedes. Wenn es schnell gehen muss, kann man aber auch einen Quark-Öl-Teig zubereiten. “Eine andere Alternative ist ein Rührteig, in den die Früchte beim Backen schön einsinken”, sagt Jens Behrend von der Dr.-Oetker-Versuchsküche in Bielefeld.
Die Zwetschgen oder Pflaumen vor dem Backen zuckern oder nicht? Schmedes rät davon ab: “Der Zucker entzieht den Früchten Flüssigkeit.” Damit der Boden beim Backen nicht durchweicht, kann man auf den Teigboden Semmelbrösel streuen. “Wenn sie kurz in der Pfanne mit gemahlenen Haselnüssen angeröstet werden, schmeckt das besonders gut.”
Ein Rezept für einen Zwetschgendatschi mit Nussbröseln hat Schmedes: Einen Hefeteig aus 350 Gramm Weizenmehl Typ 405, 20 Gramm frischer Hefe, 125 Milliliter Milch, 50 Gramm Zucker, einer Prise Salz, einem halben Teelöffel abgeriebener Biozitronenschale, einem Ei mittlerer Größe sowie 50 Gramm zerlassener Butter kneten. Den Teig an einem warmen Ort 30 Minuten lang gehen lassen.
In der Zwischenzeit zwei Kilogramm Zwetschgen waschen, halbieren und entsteinen. Je 50 Gramm Semmelbrösel und gemahlene Haselnüsse mit einem Esslöffel Puderzucker sowie einem halben Teelöffel Zimt mischen und in einer Pfanne goldbraun anrösten. Anschließend abkühlen lassen.
Jetzt ein Backblech mit Backpapier auslegen. Den Teig auf einer mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche in Größe des Blechs ausrollen und auf das Blech legen. Die geröstete Bröselmischung auf den Teig streuen und die Zwetschgen dachziegelartig überlappend darauf verteilen. Den Kuchen abgedeckt zehn Minuten ruhen lassen. Inzwischen den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Den Kuchen im Ofen (unten) 30 bis 35 Minuten backen. Herausnehmen, mit Zucker bestreuen und auf dem Blech auskühlen lassen.
Rezept für versunkenen Mini-Pflaumenkuchen
Ein Rezept für einen versunkenen Mini-Pflaumenkuchen hat Behrend auch: Einen Rührteig aus 40 Gramm weicher Butter oder Margarine, 30 Gramm Zucker, einem Päckchen Vanillezucker, einer Prise Salz, einem Ei mittlerer Größe, 65 Gramm Weizenmehl und einem halben gestrichenen Teelöffel Backpulver zubereiten. Diesen Teig in eine Springform von 18 Zentimeter Durchmesser füllen.
Darauf 250 Gramm gewaschene, halbierte und entsteinte Pflaumen oder Zwetschgen geben und die Früchte etwas eindrücken. Nach Belieben mit gehobelten Mandeln bestreuen. Form auf den Rost in den Backofen schieben (mittlere Einschubleiste) und bei 180 Grad etwa 25 Minuten backen. Nach dem Backen einen Esslöffel Zimt-Zucker über den Kuchen streuen.
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Raus in den Garten

Geranien können bei guter Pflege mehrere Jahre blühen. Foto: Gottfried Czepluch/Imago
Geranien können bei guter Pflege mehrere Jahre blühen. Foto: Gottfried Czepluch/Imago
Geranien werden oft nach einem Sommer weggeworfen - dabei können die beliebten Balkonstars durchaus mehrere Jahre überleben. Das Problem: Sie sind nicht winterfest. Das heißt, sie müssen frostfrei stehen.
Bevor die ersten Nachtfröste im Herbst auftreten, schneidet man die Pflanzen auf etwa 15 Zentimeter Höhe zurück. Die Töpfe ziehen anschließend in ein kühles, helles Winterquartier um, wo sie idealerweise bei fünf bis zehn Grad das Frühjahr abwarten. Man muss sich um die Geranien in dieser Zeit nur wenig kümmern, sie benötigen nur ab und zu etwas Wasser.
Nicht unruhig werden, die Pflanzen wirken dann wie abgestorben. Wenn man ihnen im Frühjahr wieder mehr Wärme und Wasser gönnt, treiben sie wieder aus. Dann kommen sie in frische Erde und - je nach Platzbedarf - auch in einen etwas größeren Topf.
Überwinterte Geranien blühen zwar meist etwas später als die Vorgezogenen aus dem Handel. Wer sich die kleine Mühe macht, kann sich aber jahrelang an immer üppiger werdenden Exemplaren erfreuen.
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Fundstück der Woche

Ein Schwalbennest (Symbolfoto). Quelle: dpa
Ein Schwalbennest (Symbolfoto). Quelle: dpa
Diesmal geht es bei unserem Fundstück der Woche um ein Zuhause, das ganz viele Vögel für sich gefunden haben, und zwar bei Familie Rumpf in Klein Haßlow in der Prignitz.
Denn dort sind Schwalben sehr gern gesehene Gäste. Das steht sogar an deren Haus: “Schwalben willkommen” heißt es auf dem Schild, das der Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg ihnen ausgestellt hat.
Hinter diesem Schild verbirgt sich bei Elsa und Friedhelm Rumpf echte Liebe für Piepmätze. Quelle: Christamaria Ruch
Hinter diesem Schild verbirgt sich bei Elsa und Friedhelm Rumpf echte Liebe für Piepmätze. Quelle: Christamaria Ruch
“In diesem Jahr waren 105 Nester mit Mehlschwalben an der Scheue belegt”, berichtet Friedhelm Rumpf. So viele wie nie zuvor. Dich an dicht kleben die Nester unter dem Dachüberstand, wie an einer Perlenschnur aufgereiht.
„In diesem Jahr hatten die Mehlschwalben zweimal gebrütet und zwischen drei bis vier Junge pro Nest gehabt“, sagt Elsa Rumpf. Jetzt sind die Zugvögel schon auf dem Weg in den Süden, doch allein der Anblick ihrer Einzimmerwohnungen ist eine Seltenheit. „Den Dreck nehmen wir in Kauf“, sagt Elsa Rumpf.
Die Mehlschwalben bezogen in diesem Jahr 105 Einzimmerwohnungen. Diese befinden sich in Südlage am 30 Meter langen Schuppen bei Elsa und Friedhelm Rumpf in Klein Haßlow. Quelle: Christamaria Ruch
Die Mehlschwalben bezogen in diesem Jahr 105 Einzimmerwohnungen. Diese befinden sich in Südlage am 30 Meter langen Schuppen bei Elsa und Friedhelm Rumpf in Klein Haßlow. Quelle: Christamaria Ruch
Die Mehlschwalben haben mittlerweile einen schweren Stand, denn viele Menschen scheuen den Dreck, den die Mieter auf Zeit hinterlassen. Damit wird Wohnraum für die Vögel zur Mangelware. Auch glatte Fassaden kommen für die Vögel nicht in Frage, weil die Nester dort keinen Halt finden. Der Unterschlupf der Mehlschwalben wird oftmals mutwillig zerstört. Ganz anders in Klein Haßlow.
„Es gibt immer weniger Schwalben, da freuen wir uns umso mehr, dass wir so viele bei uns auf dem Hof haben“, sagt Friedhelm Rumpf. Und: „Es gibt wirklich noch Schwalben, das hier ist der Beweis.“
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