Profil anzeigen

Einmal um den Großen Wünsdorfer See ++ "F1-Hybride" für den Garten ++ Historisches Potsdam

Partner Im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Partner Im RedaktionsNetzwerk Deutschland
MAZ Raus aufs LandMAZ Raus aufs Land

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in spannende Welten führt uns unser Ausflug in dieser Woche. Wenn Sie mit uns, wie vorgeschlagen, rund um den Großen Wünsdorfer See spazieren, kommen Sie auch an dem Zossener Ortsteil vorbei, der diesem Gewässer seinen Namen gab. Es ist nun schon gut 20 Jahre her, dass ich als Volontär einen Termin in der zu Wünsdorf gehörenden Bücherstadt hatte. Damals stand ich fasziniert vor den riesigen Hochbunkern. Wie zu groß geratene Zuckerhüte sahen die Steingebäude aus. Hunderte Menschen konnten in den Gebilden aus den 1940er-Jahren Schutz vor Bomben suchen. Die fanden wegen der besonderen Form dieser Gebäude kaum direkte Angriffsfläche und verpufften sozusagen in der Luft.
Heute sind die Bauwerke zum Glück nur noch Museumsstücke und mahnende Zeugnisse einer alles andere als guten alten Zeit. Sehr viel jünger sind dagegen die Antiquariate in der ehemaligen Militärsiedlung. Die bilden mit ihrem Bezug zum Geist und Besonnenheit das genaue Gegenteil zu der zerstörerischen Welt des Krieges ab. Die Antiquariate sind ein Beispiel dafür, dass schließlich doch noch alles gut werden kann. Denn Bücher können auch in unserer digitalisierten Welt noch beste Freunde sein. Und selbst wenn sie alt sind, enthalten sie doch oft überraschend Zeitgemäßes, vielleicht auch deshalb, weil sie nicht dem Zeitgeist hinterherhecheln - zumindest nicht dem gegenwärtigen.
Ich selbst habe zum Beispiel begonnen, meinen Schuber mit mehreren Klassikern aus den Goldenen Zwanzigern durchzuarbeiten. Von “Fabian” über den “Zauberberg” bis hin zu “Berlin Alexanderplatz” ist alles vertreten. Bei der Lektüre merkt man schnell, dass die Zeit vor hundert Jahren trotz aller Erwartungen und der Aufbruchsstimmung so golden gar nicht war, zumindest nicht für alle. Die Autoren zeigen aber zugleich, dass es auch von der Klugheit und der Aufrichtigkeit der von ihnen erdachten Akteure abhängt, wie sie diese Zeit für sich erleben.
Damit wäre ich schon wieder bei der Gegenwart. Irgendwie stecken wir derzeit ja auch fest in einer Art Bunker. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich Ihnen (und mir) an dieser Stelle schon Hoffnung gemacht habe, dass es nun doch ganz gewiss besser würde und wir die Sommer- oder Winterfrische im Land Brandenburg bald wieder sorglos würden genießen können.
Nun ja, die Sorglosigkeit ließ auf sich warten. Aber jetzt habe ich - unbelehrbar wie ich nun einmal bin - schon wieder Hoffnung, dass sie tatsächlich berechtigt sein könnte. Ein paar Kronzeugen habe ich. Selbst der WHO-Regionaldirektor für Europa deutet vorsichtig eine neue Phase der Pandemie mit Stabilisierung und Normalisierung an. Deshalb plane auch ich inzwischen wieder Reisen, die mich sogar weit über die Grenzen des Landes Brandenburg bringen sollen.
Einstweilen halte ich mich an die positiven Helden meiner aktuellen Lektüre, behalte mir eine gesunde Skepsis und schaue auf das was wirklich da ist - wie der Große Wünsdorfer See, der nicht nur einen hohen Erholungsfaktor hat, sondern auch ein schönes Fotomotiv ist.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Ihr
Rüdiger Braun
MAZ-Autor
***
-Anzeige-
Per Klick aufs Bild geht es direkt zum Gewinnspiel.
Per Klick aufs Bild geht es direkt zum Gewinnspiel.
***
Ausflug der Woche: Rund um den Großen Wünsdorfer See

Blick auf den Großen Wünsdorfer See. Foto: Soeren Stache/dpa
Blick auf den Großen Wünsdorfer See. Foto: Soeren Stache/dpa
Um den Großen Wünsdorfer See im Landkreis Teltow-Fläming kann man auf 8,8 Kilometern die Nähe zur Natur erleben und den See ufernah umwandern. Es gibt zwar keinen markierten Wanderweg, das hält uns jedoch keineswegs von unserer Tour ab. Der Start erfolgt am Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt, der mit den Regionalexpress-Linien 5 und 7 erreichbar ist. Wer mit dem Auto anreist, hat ausreichend Parkplätze zur Verfügung.
Zunächst unterqueren wir die Bahnstrecke, derzeit ist das eine große Baustelle, und halten uns auf der Westseite nach links. Über die Straße Zum Bahnhof gelangen wir zu einer Kreuzung mit mehreren abgehenden Straßen. Wir biegen nach links ab und gehen auf der Wünsdorfer Seestraße weiter. Als erstes erreichen wir das Strandbad Wünsdorf, hier gibt es zahlreiche Sitzbänke, einen Spielplatz und den schönen Blick auf den See.
Weiter geht es auf der Wünsdorfer Seestraße. Besonders zu beachten sind zahlreiche schmucke Villen aus unterschiedlichen Jahrzehnten, auch Bauten aus diesem Jahrtausend sind dabei. Nach einiger Zeit erreichen wir das Gelände des Angelvereins Geduld Wünsdorf mit zahlreichen Booten und überdachten Rastplätzen. Kurz darauf passieren wir die Fischerei Wünsdorf. Hier gibt es fast über das ganze Jahr Frischfisch, Räucherfisch oder auch Angelkarten. Über die Öffnungszeiten sollte man sich vorher im Internet informieren.
Die Wanderung ist 8,8 Kilometer lang. Foto: Günter Mehlitz
Die Wanderung ist 8,8 Kilometer lang. Foto: Günter Mehlitz
Als nächstes fallen die Überreste einer ehemaligen Militärischen Kaserne auf – entsprechende Warnschilder weisen auf das Zutrittsverbot des Geländes hin. Und schon sehen wir das Ortsschild von Neuhof, einem Gemeindeteil von Wünsdorf, das wiederum ein Ortsteil von Zossen ist. Kurz nach dem Ortsschild geht es nach rechts in die Bergstraße. Wir kommen am Café am Walde vorbei, geöffnet ist allerdings nur freitags, samstags und sonntags. Der nächste Abzweig nach rechts erfolgt in die Seefreiheit, von wo wir den See auch wieder in der Nähe sehen können.
Wir erreichen den nächsten Badestrand, diesmal den von Neuhof. Auf einer Infotafel können wir erfahren, dass der See immerhin 161 Hektar groß und bis über zehn Meter tief ist. Im letzten Sommer wurde ihm ausgezeichnete Badewasserqualität bescheinigt. Der Weg knickt dann vor einem Privatgelände nach links ab, wir folgen dem Weg und halten uns bei der nächsten Möglichkeit rechts. Ab jetzt geht es durch einen Kiefernwald.
Bei der ersten Kreuzung laufen wir geradeaus, bei der zweiten biegen wir nach links ab. Wenn hier links und rechts des Weges zwei Baumstümpfe mit einer Höhe von circa einem Meter bis 1,30 Meter zu sehen sind, ist das der richtige Weg. Dann nehmen wir den nächsten Abzweig rechts und kommen bald an einen breiteren Weg, dem Sapherscher Weg, dem wir nach halbrechts folgen. Wir kommen an den Wünsdorfer Werkstätten vorbei und erreichen die Adlershorststraße.
Der etwa 180 Hektar große See ist bis zu elf Meter tief und ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Soeren Stache/dpa
Der etwa 180 Hektar große See ist bis zu elf Meter tief und ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Soeren Stache/dpa
Jetzt geht es erneut nach rechts, direkt hinter einem Flutgraben. Wegmarkierungen verraten uns, dass hier gleich mehrere Wanderrouten verlaufen: der Mellenseerundweg, die Baruther Linie und die 66-Seen-Wanderung. Kurz darauf fällt eine ausgeschilderte Hundebadestelle auf, es handelt sich aber nur um einen relativ schmalen Strandabschnitt. An der nächsten Badestelle, die von der Straße durch gelbe Geländer abgegrenzt ist, geht es nach rechts auf einen ufernahen Wanderweg. Nach einiger Zeit kommen wir auf den Eichenweg und folgen diesem bis zur Kreuzung am Mühlenweg.
Dort biegen wir nach links ab und entfernen uns allmählich wieder vom Ufer des Sees. Hier gibt es rechts und links Felder zu sehen, der See ist etwas weiter weg auf der rechten Seite zu erkennen. Wir kommen am Wohnhaus von Werner Ruttkus vorbei, einem Sportjournalisten mit einer eindeutigen Vorliebe für den Radsport. Zahlreiche Fotos und Fahrradteile sind auf seinem Grundstück von der Straße aus zu sehen.
An der Klausdorfer Straße biegen wir nach rechts ab und kommen zur Dorfkirche Wünsdorf. Außerhalb des Kirchengrundstücks befindet sich eine künstlerisch gestaltete Skulptur: der Brunnen „Wasserspenderin“, gestaltet von Manfred Sieloff im Jahr 1995 anlässlich der 500-Jahr-Feier von Wünsdorf. Im Jahr 2020 wurde der Brunnen vom Künstler restauriert und mit einem neuen Wassertank versehen. An der nächsten Kreuzung biegen wir halblinks in die Straße Zum Bahnhof ein und haben nur noch ein kurzes Stück bis zum Ziel der Tour vor uns. Günter Mehlitz
***
Brandenburg für Genießer

Das Landhaus "Zur Alten Gärtnerei" in Zossen. Foto: Arthotel Landhaus Zur Alten Gärtnerei
Das Landhaus "Zur Alten Gärtnerei" in Zossen. Foto: Arthotel Landhaus Zur Alten Gärtnerei
Auch einen märkischen Klassiker gibt es manchmal im Landhaus “Zur Alten Gärtnerei”, dem Restaurant des gleichnamigen Hotels in Zossen, frisch auf den Tisch. Die berühmten Teltower Rübchen bezieht die Gaststätte direkt vom Erzeuger. Dieser Tage wird man jedoch leider nicht auf den Genuss dieser Speiserübchen mit ihrer faszinierenden Geschmacksmischung aus Süße und Schärfe kommen. Die Zeit der Rübchen ist nämlich erst wieder im Oktober. Das heißt aber keineswegs, dass sich ein Besuch im Landhaus im Februar nicht lohnen würde. Geschmorte Ochsenbäckchen mit Kartoffel-Lauch-Strudel und andere Köstlichkeiten sind auch nicht zu verachten, besonders wenn man von der Kälte in die anheimelnde Umgebung der Gaststätte kommt.
Serviert werden auch internationale Gerichte. Mal findet sich ein Lachs in Sesamkruste auf der Karte, dann wieder eine Hähnchenbrust in Tomaten-Basilikumsauce mit einer Käse-Mandelfüllung. Auch eine scharf gebratene Couscouspfanne kann probiert werden. Wer das Bewährte schätzt, findet neben der Kohlroulade auch das klassische Schnitzel auf der Karte.
Das 2005 eröffnete Restaurant mit seinen alten Klostertischen und gemütlichen Sesseln selbst befindet sich in durchaus unkonventioneller Umgebung. Das Hotel, zu dem es gehört, trägt den Beinamen Kunst- und Kulturstätte. Die Räumlichkeiten und die Gästezimmer sind besonders gestaltet. Dazu gehören eine Vielzahl von Unikatmöbeln und die besondere Ausstattung der Zimmer durch eine internationale Künstlergemeinschaft aus Peru, Iran, Schweiz, Italien, Österreich und Deutschland, die so zu kleinen Welten für sich geworden sind. Die ganze Hotelanlage an der Neuendorfer Landstraße 49 in Zossen scheint überall Geschichten zu erzählen.
***
Tipps aus der Region

Winterpause beendet: Ab Freitag gibt es in Kremmen wieder Lebkuchen
Ralf der Rabe bereitet die Saison auf Burg Rabenstein vor
Potsdam: Pop-Up-Galerie Blitztauf zeigt Kunst in Charlottenstraße 100 
Jörg Engmann aus Leegebruch hat Tausende Comics
Hotel an der Stein-Therme in Bad Belzig geplant
***
Raus in den Garten

Beim Begriff F1-Hybrid mag mancher an die Rennsportserie Formel 1 und ihre Motoren denken. Aber die Abkürzung gibt es auch in der Gartenbranche: Hobbygärtner finden sie etwa auf Samentütchen. Foto: Kai Remmers/dpa
Beim Begriff F1-Hybrid mag mancher an die Rennsportserie Formel 1 und ihre Motoren denken. Aber die Abkürzung gibt es auch in der Gartenbranche: Hobbygärtner finden sie etwa auf Samentütchen. Foto: Kai Remmers/dpa
H​aben Sie schon einmal den Begriff „F1-Hybrid“ auf einem Samentütchen gelesen? Er kann wichtig sein, wenn Sie die daraus wachsenden Pflanzen weitervermehren wollen. Im Garten ist ein „Hybrid“ das Ergebnis der Kreuzung von Eltern verschiedener Pflanzenarten oder deren Unterarten. Und „F1“ steht für die erste Generation dieser Verbindung - also die Kinder.
Werden die Samen dieser Kinder-Pflanzen im Folgejahr ausgesät, so kann es sein, dass die Nachkömmlinge - also quasi die Enkel - ganz andere Eigenschaften haben als die erste Kindergeneration.
Ein Beispiel: Hat man F1-Saatgut für gelbe Zucchini gekauft, können die Samen daraus (F2) nur einen Teil oder gar keine gelben Zucchini ergeben. Es kann sogar auch vorkommen, dass sich die Pflanzen aus den F1-Samen überhaupt nicht weitervermehren lassen.
Die kostspielige Folge: Hobbygärtner müssen von solchen F1-Pflanzen immer wieder neue Samen kaufen. Nur Sorten, die zum Beispiel als samenfest, sortenrein und nachbaufähig bezeichnet werden, geben über Generationen hinweg ausschließlich die erwünschten Eigenschaften weiter.
F1-Samen sind dennoch beliebt und häufig im Handel zu finden, denn es handelt sich oft um Züchtungen, die bestimmte Nachteile der Pflanzengattung oder -art nicht mehr haben. Etwa Krankheiten oder eine besondere Anfälligkeit für Schädlinge, oder eben eine besondere Wuchsform - wie gelbe Zucchini.
***
Fundstück der Woche
Dass ausgerechnet das Militärgeschichtliche Forschungsamt, heute aufgegangen im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, einen Reiseführer mit friedlichen Spaziergängen durch die Stadt Potsdam vorschlagen würde, mag vielleicht überraschen. Ganz fremd ist dem Zentrum der Stoff aber nicht, denn zur Aufgabe gehört heute auch die historische Grundlagenforschung. Dieser widmete sich auch schon die Vorgängereinrichtung. Und wenn ein kleines Brevier mitten in das friderizianische Potsdam führt, liegt das Militärische auch wieder nicht ganz so fern.
“Potsdamer Gehschichte” heißt der 120 Seiten zählende Reiseführer, der bereits 2007 erschienen, aber nicht nur in Antiquariaten durchaus wieder neu zu entdecken ist. Die scheinbar falsche Schreibweise des Wortes Geschichte ist bei diesen Reiseführern Programm. Man soll sich die vielfältige Geschichte der Stadt gehend erschließen. In zehn Spaziergängen werden verschiedene Aspekte Potsdams aufgegriffen und an prägnanten Beispielen erläutert. An den alten Stadttoren oder vielmehr deren Resten sehen wir zum Beispiel die Entwicklung Potsdams vom Dorf zur Stadt, man lernt den Trubel in der Innenstadt kennen oder erfährt etwas über das Holländische Viertel. Zum Beispiel, dass es schon im 18. Jahrhundert weniger durch niederländische Bewohner als vielmehr Handwerker, Künstler und Gewerbetreibende attraktiv war.
Besonders unterhaltsam für den Leser ist es, dass die Entwicklung des neueren Potsdams einige Beschreibungen des nun doch noch nicht so alten Stadtführers obsolet gemacht hat. Im Kapitel über ein “Verlorenes Herz” heißt es, wir sollten auf den Marstall blicken, in dem das Filmmuseum untergebracht ist. “Stellen Sie sich eine Kolonnade vor, die sich quer über die heutige Verkehrsstraße in Richtung des Fortunaportals erstreckt.” Östlich von ihr habe sich ein riesiges Gebäude befunden, “welches unter Friedrich II. aufgestockt wurde, um seinen Gästen eine angenehme Unterkunft zu bieten”. Heute müssen wir uns weder Kolonnade noch Stadtschloss vorstellen. Beides zeigt sich imposant dem Auge des Besuchers und in schönster Farbigkeit. Nur weist eine französische Inschrift darauf hin, dass es sich bei dem Neubau keineswegs um ein Schloss handele. Ja, es ist ja auch nur eine historische Hülle für den innen höchst modern anmutenden Landtag Brandenburgs.
Stephan Theilig, Daniela Morgenstern, Tobias Kunow: Potsdamer Gehschichte - Das friderizianische Potsdam, Edition Q, 120 Seiten, 9,90 Euro.
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.