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Bohnenländer See++Hafermilch aus Ketzür++"Landpartie mit Lars" ist zurück

MAZ Raus aufs LandMAZ Raus aufs Land
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wie sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn neulich? Die letzten Schritte im Pandemie-Marathon sind eine Tortur. Wohl wahr! Über Brandenburg wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt und damit einem Bestreben “Raus aufs Land” gnadenlos ein Riegel vorgeschoben. Dann musste auch noch recht durchwachsenes Wetter hinzukommen. Nach dem kältesten April in 30 Jahren wollte sich auch Anfang Mai über den märkischen Wäldern kein richtiger Sonnenschein zeigen - und nach drei Tagen Sommer seit Sonntag ist es nun schon wieder vorbei mit dem Sonnenbaden. Seit Monaten kein Kino, kein Theater, keine Party, selbst der Biergarten bleibt bis Pfingsten zu. Wem würde da nicht so langsam die Geduld ausgehen? Aber andererseits…
Es ist ja nicht nur von einer Tortur die Rede, sondern auch von den letzten Schritten des Gewaltmarsches. Tatsächlich zeichnet sich die Ziellinie ab. Von meinem Kollegen erfahre ich zum Beispiel, dass er einen Termin fürs Impfen hat. Dabei ist er sogar jünger als ich, kerngesund und keineswegs mit irgendwelchen pflegerischen Aufgaben betraut. Auch ich spiele mit dem Gedanken, mir meine Injektion Astrazeneca abzuholen, wenn meine Ärztin mich lässt und ich keinem Bedürftigen das kostbare Vakzin wegschnappe. Unwahrscheinlich ist das nicht. Noch ist Impfstoff Mangelware, aber ich gehe davon aus, dass spätestens Ende des Monats kräftig geliefert wird.
Außerdem sinken die Inzidenzwerte wieder! Die für Mai prophezeite Katastrophe mit durch die Decke gehenden Ansteckungszahlen blieb zum Glück aus. Folglich machen wir uns langsam wieder locker - und vielleicht klappt es ja sogar noch mit dem Sommerurlaub. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein öffnen ja schon wieder, von dem wagemutigen Griechenland ganz zu schweigen. Halten wir also durch und laufen diesen Marathon tapfer zuende, womit wir eigentlich schon beim Thema wären: Sport!
Bewegung ist wichtig. Sie hält nicht nur gesund, sondern baut nachweislich Stress ab. Deshalb versuche ich auch unter erschwerten Bedingungen aktiv zu bleiben. Von einer Jogging-Runde auf dem Potsdamer Telegrafenberg oder einem schnellen Marsch im südlichen Düppeler Forst können mich keine Ausgangssperren abhalten. Auch wenn mein Radius pandemiebedingt etwas eingeschränkt ist, wechsele ich mit meinen Nahzielen ab. Mal geht es am Sonnabend auf eine größere Runde im Babelsberger Park, mal streune ich sonntags durch den Neuen Garten, mal radle ich über die Glienicker Brücke, um nach einer mäßig hügeligen Fahrt durch den Wald zur Pfaueninsel überzusetzen.
All das ist an sich schon anregend und macht Lust auf mehr. Zum Beispiel auf einen Spaziergang rund um den Bohnenländer See, den wir in diesem Newsletter präsentieren. Die wenig bekannte Perle liegt nördlich der Domstadt Brandenburg/Havel und wird von Besuchern als “ruhig gelegen”, “idyllisch” und “Natur pur” gepriesen. Selbst jetzt unter noch geltenden Pandemiebeschränkungen kann kam problemlos eine Wanderung rund um das längliche Überbleibsel aus der Weichsel-Kaltzeit wagen.
Sollte das schlechte Wetter den ersehnten Ausflug nicht zulassen, kann selbst die kleinste Hütte zur Turnhalle werden. Sit-ups, Kniebeugen auf einem Bein, Unterarmstand und für ganz Mutige einarmige Liegestützen brauchen wirklich nicht viel Platz und können bei richtiger Ausführung in diesen Notzeiten auch mal ein Fitnessstudio ersetzen.
Wer jetzt aber doch lieber Tipps von den Profis will, schaue sich einfach bei #sportfamiliepotsdamTV um. Die Videosammlung mit Trainingsvorschlägen des Stadtsportbundes Potsdam ist unser Fundstück der Woche.
Nach solch einer Einheit brauchen Sie sicher eine kleine Erfrischung. Bitteschön: Die Hafermilch aus Ketzür (Potsdam-Mittelmark) dürfte Ihnen neuen Schwung geben. Eine solche Flasche “Brandenburg für Genießer” können Sie einfach so trinken oder für Ihren Cappuccino aufschäumen. Mit dem Kaffeebecher in der Hand schauen Sie dann aus dem Fenster und träumen vom Sommerurlaub.
Herzliche Grüße!
Ihr
Rüdiger Braun
MAZ-Autor
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Ausflug der Woche: Einmal um den Bohnenländer See

In dieser Woche geht es an den Bohnenländer See in Brandenburg/Havel. Foto: Heiko Hesse
In dieser Woche geht es an den Bohnenländer See in Brandenburg/Havel. Foto: Heiko Hesse
Heute geht es nach Brandenburg. Stadt an der Havel. Wiege der Mark. Wenn es in der Stadt an etwas nicht mangelt, dann ist das Wasser. Dorthin verschlägt es uns in dieser Woche natürlich auch. Allerdings weder an die Havel, noch an den Beetzsee. Es geht an den Bohnenländer See, der am nördlichen Stadtrand unweit der Bundesstraße 102 liegt, die Brandenburg/Havel mit Rathenow im Landkreis Havelland verbindet.
Der See ist nicht besonders groß, 1,1 Kilometer lang und bis zu 150 Meter breit. Wir lassen es in dieser Woche also etwas ruhiger angehen, die rund dreieinhalb Kilometer sind gut in einer Stunde machbar. Aber keine Sorge, das war es noch nicht mit unseren Tipps zur Havelstadt.
Gerade zeigt sich der See von seiner schönsten Seite. Die Natur entfaltet sich und bietet mit dem Bohnenländer See eine herrliche Kulisse. Eine gelbe Wanderweg-Markierung weist den Weg.
Per Klick auf die Karte geht es zur Tour beim Tourenanbieter Komoot.
Per Klick auf die Karte geht es zur Tour beim Tourenanbieter Komoot.
Der Startpunkt der Tour befindet sich an einem Waldparkplatz direkt an der B102. Von dort ist es nicht weit zum See, den Sie in der Richtung ihrer Wahl umrunden können. Wir nehmen uns zuerst die Westseite vor und wandern gemütlich bis zum anderen Ende des Sees. An vielen Stellen geht es über Wurzeln und eng an Bäumen vorbei, was für Wanderer kein Problem ist. Vielerorts gibt es Gelegenheit, sich ein Plätzchen am Ufer zu suchen und den Blick über das Wasser schweifen zu lassen. Wer es gemütlicher mag: Zwei Knorpelschänken und eine Schutzhütte laden zum Verweilen ein.
Der Bohnenländer See ist nicht besonders groß, aber sehr sehenswert. Foto: Heiko Hesse
Der Bohnenländer See ist nicht besonders groß, aber sehr sehenswert. Foto: Heiko Hesse
Etwa 600 Meter Luftlinie nordwestlich der nördlichen Seespitze an einem Waldrain befindet sich der Überrest der Bohnenländer Eiche, eines ehemaligen Naturdenkmals. Sie gehörte zu den dicksten Eichen in Deutschland. 200 Meter östlich der nördlichen Seespitze beginnen die Schwedenwälle, die sich über 700 Meter nach Osten ziehen. Beides ist sehenswert und lohnt die zusätzlichen Meter auf der kurzen Wanderung um den See herum, die uns entlang des östlichen Ufers wieder zurück zum Ausgangspunkt führt.
Am südlichen Zipfel des Sees führt eine schmale, beschädigte Holzbrücke über ein Rinnsal, das man jetzt noch erkennen kann, das in den wärmeren Monaten jedoch trocken fällt. Dieses Fließ ist ein Rest des Zummelts, eines Gewässers, das sich über die Städtebahnlinie hinaus bis zum benachbarten Gördensee als Feuchtniederung erstreckt.
Die Holzbrücke am südlichen Ufer des Sees. Foto: Marion von Imhoff
Die Holzbrücke am südlichen Ufer des Sees. Foto: Marion von Imhoff
Zugegeben, die Wanderung ist dieser Woche ist nicht besonders lang. Das macht aber gar nichts. Wenn Sie schon mal in Brandenburg an der Havel sind, empfehlen wir Ihnen unbedingt auch einen Stopp in der Innenstadt. Dort gibt es viel zu entdecken.
Wie wäre es beispielsweise mit einem Rudel Waldmöpse, das sich über die gesamte Innenstadt vom Dom bis zur Jahrtausendbrücke und zum Paulikloster ausgebreitet hat? Auf den Spuren Loriots einmal durch dessen Geburtsstadt? Machen Sie das unbedingt - und falls Sie nach unserer Empfehlung in einem früheren Newsletter schon dort waren, finden Sie dieses Mal sicher auch die Waldmöpse, die sich beim letzten Mal versteckt haben. Für Besucher hält die Touristeninformation auf dem Neustädtischen Markt einen detaillierten Plan der Waldmops-Reviere bereit. Wir wünschen viel Vergnügen!
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Radtour der Woche: Durchs Zweistromland zwischen Havel und Elbe

Lars Sittig erkundet Brandenburg am liebsten vom Sattel aus.
Lars Sittig erkundet Brandenburg am liebsten vom Sattel aus.
Der Startschuss für die diesjährige Serie der MAZ-Landpartien fällt mit einer Zeitreise durch die Historie Brandenburgs: Die Landpartie von Brandenburg an der Havel führt von der „Wiege der Mark“ über historisch bedeutsame Orte wie das Kloster Jerichow in die prächtige und trutzige Kaiserstadt Tangermünde in Sachsen-Anhalt. Geschichte erleben im Fahrradsattel sozusagen, denn die Route verläuft durch eine Region, in der es vor rund 1000 Jahren bei der Eroberung von Westen zu massiven Auseinandersetzungen mit den einheimischen Slawen kam.
Der Dom in Brandenburg an der Havel oder das Kloster Jerichow sind nicht nur prachtvolle Bauten, sondern auch Zeugnisse aus der „Gründerzeit“ der Mark Brandenburg. Dazu gibt es im „Zweistromland“ – dem Landstrich zwischen Havel und Elbe – sehr viel Natur, idyllische Auenlandschaften und auf dem Milower Berg die Kombination aus Fernsicht und Picknickplatz. In Bahnitz wartet die vermutlich kleinste Kirche Deutschlands, in der regelmäßig Gottesdienste abgehalten werden.
Der Milower Berg lädt zur Rast ein - und bietet eine großartige Aussicht! Foto: Lars Sittig
Der Milower Berg lädt zur Rast ein - und bietet eine großartige Aussicht! Foto: Lars Sittig
Die Fahrt mit der Fähre von Pritzerbe nach Kützkow sorgt für einen maritimen Hauch, der Elberadweg für ein angemessenes Finale auf dem Schlussabschnitt nach Tangermünde. Die Hansestadt ist ein Ereignis mit ihren gewaltigen Stadtmauern und dem historischen Zentrum. Die Tour ist mit rund 70 Kilometern Länge eine Herausforderung – aber die Fahrt lohnt sich. Versprochen! Und hier kommen die Details:
Die Strecke: Die MAZ-Landpartie führt vom Bahnhof in Brandenburg an der Havel zunächst zur Dominsel, dann durch die Stadt Richtung Butterlake. Zum Pavillon am Bohnenländer See (den kennen Sie schon von unserem Ausflug der Woche) führt ein Waldweg, der rechts an einem Parkplatz hinter Butterlake abbiegt. Nach Pritzerbe und zur Havelfähre geht es auf einem straßenbegleitenden, asphaltierten Radweg.
Die Fähre nach Kützkow verkehrt das ganze Jahr und legt neben festen Abfahrtszeiten nach Bedarf ab – die Preise und die Fährzeiten können auf www.amt-beetzsee.de abgerufen werden.
Von Kützkow geht es über Routen des regionalen Rad-Knotenpunktsystems über Bahnitz nach Jerchel (gut befahrbare Plattenwege), von dort auf einem straßenbegleitenden Asphaltweg nach Milow und zum gleichnamigen Berg mit einem sehr schönen Picknickplatz. Nach Vieritz führt von hier ein Weg durch den Wald (Plattenweg und gut bis ordentlich befahrbarer Waldweg). Auf dem Teilstück nach Jerichow kann man nun wählen zwischen autofreien, unbefestigten Wegen und Landstraßen (Vieritz – Zollchow – Galm) – als Alternative für dieses Teilstück kann man auch eine Strecke mit einem teilweise etwas schwierigen, aber unter dem Strich beim Test ordentlich befahrbaren Waldweg wählen.
Die Route ist Teil eines frisch eingeweihten Knotenpunkt-Radwegesystem im Jerichower Land. Vom Knotenpunkt 66 hinter Galm geht es auf einem teilweise recht holprigen Plattenweg nach Großwulkow. Auf Abschnitten des regionalen Radknotenpunkt-Netzes kann man nun über Briest und den Knotenpunkt 45 auf Landstraßen nach Klein Mangelsdorf fahren, dann auf einem straßenbegleitenden Radweg nach Jerichow. Als autofreie Alternative gibt es den St. Jakobus-Pilgerweg von Großwulkow nach Jerichow – dieser Abschnitt ist aber teilweise sehr uneben und eher eine Schiebestrecke. Vom Kloster Jerichow nach Tangermünde geht es auf dem exzellent ausgebauten Elberadweg mit mehreren schönen Rastplätzen ans Ziel.
Für eine detaillierte Ansicht, klicken Sie bitte auf die Karte.
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Die Highlights? Die Tour führt durch sehr schöne Landschaften wie die Havelauen oder die Elbe-Flusslandschaft. Sie ist außerdem gespickt mit Sehenswürdigkeiten und bietet einen tiefen Einblick in die regionale Geschichte – von der Dominsel in Brandenburg an der Havel über das Kloster Jerichow bis zur Kaiserstadt Tangermünde mit ihren gewaltigen Befestigungsanlagen. Brandenburg an der Havel und Tangermünde gehören zu den Städten mit den spannendsten und imposantesten historischen Stadtkernen in Norddeutschland.
Brandenburg an der Havel: Die Stadt Brandenburg, die auch als Wiege der Mark bezeichnet wird, dokumentiert diese besondere historische Rolle auch durch Bauwerke. Auf der Dominsel, dem ältesten Siedlungskern der Havelstadt, befindet sich unter anderem der Dom St. Peter und Paul. Im Kloster St. Pauli ist das Archäologische Landesmuseum mit rund 10.000 archäologischen Fundstücken untergebracht. In der Stadt gibt es viele sehenswerte Bauwerke, vom Roland bis zu diversen Tortürmen, zudem sorgen viele Wasserläufe und Parkanlagen für ein ganz besonderes Flair.
Willkommen in Tangermünde: Die Stadt im nördlichen Sachsen-Anhalt ist das Ziel unserer Landpartie. Foto: Lars Sittig
Willkommen in Tangermünde: Die Stadt im nördlichen Sachsen-Anhalt ist das Ziel unserer Landpartie. Foto: Lars Sittig
Tangermünde: Bereits von weitem sticht die Backstein-Stadtmauer mit gewaltigen Türmen, Toren und Wänden ins Auge. Auch innerhalb der Befestigungsanlagen reihen sich prächtige Sehenswürdigkeiten aneinander – vom historischen Rathaus Tangermünde (mit Heimatmuseum), der St.-Stephans-Kirche, bis zu Wehrtürmen und vielen denkmalgeschützten Gebäuden. Tiefer eintauchen in die Historie können Besucher in den Museen, durch Infotafeln, Denkmäler und Gedenkstätten. Die Stadt sorgt für ein glanzvolles Finale der Landpartie.
Kloster Jerichow: Das 1144 gegründete Kloster Jerichow – nur wenige Kilometer südlich von Tangermünde gelegen – gehört ebenfalls zu den Zeitzeugnissen der brachialen Veränderungen, als das slawische Gebiet von Westen erobert wurde. Die Stiftskirche St. Marien und St. Nikolaus zählt zu den ältesten Backsteinbauten in Norddeutschland – ihre beiden Türme sind Wahrzeichen und Fixpunkt zugleich. Unweit entfernt stand früher ebenfalls eine Slawenburg, die Überreste sind als Bodendenkmal ausgewiesen.
Die Landschaft während der gesamten Tour ist ebenso reizvoll wie abwechslungsreich: Der erste Abschnitt auf dem Havel-Radweg streift die Bohnenland-Görden-Rinne mit dem schönen Bohnenländer See, Pritzerbe ist eine schöne Landstadt mit viel Charme und Kopfsteinpflaster – die Seilfähre nach Kützkow sorgt für einen Hauch See-Atmosphäre. Naturschönheiten sind beispielsweise der Milower Berg mit einem tollen Panoramablick und die Marqueder Erdelöcher.
Weitere Sehenswürdigkeiten: In Bahnitz steht auf einem sehr schönen, liebevoll gestalteten Dorfanger die vermutlich kleinste Kirche Deutschlands, in der regelmäßig Gottesdienste abgehalten werden, vor Großwulkow befindet sich der Rastplatz „Hügelgräberfeld“ mit spannenden Infotafeln. In vielen Dörfern gibt es schöne Kirchen. Wie immer warten viele kleine und größere Entdeckungen und viel Natur am Wegesrand.
MAZ-Tipp: Viel Zeit nehmen und sich vor der Tour mit der regionalen Geschichte beschäftigen. Wenn möglich, die Landpartie auf zwei oder sogar drei Tage ausdehnen (so bleibt auch Zeit für die Wanderung um den Bohnenländer See, die wir Ihnen im Ausflug der Woche empfehlen) und tief in die Historie und die spannende Region eintauchen. Ein Picknick mit Fernsicht auf dem Milower Berg lohnt sich.
Eine ausführliche Beschreibung der Tour können Sie hier nachlesen. Die Strecke zum Nachfahren (in zwei Varianten) finden Sie in unserem Komoot-Profil.
Brandenburg für Genießer

Paavo Günther ist Havelmi***-Geschäftsführer.
Paavo Günther ist Havelmi***-Geschäftsführer.
Vor wenigen Jahren waren Haferdrinks noch ein Nischenprodukt, inzwischen findet man sie fast überall. Vom Bioladen bis zum Discounter, in etlichen Varianten. Auch in vielen Cafés gehören sie als Ersatz zur klassischen Kuhmilch mittlerweile zum Standardrepertoire. Auch in Brandenburg ist der Hafer-Hype angekommen.
Seit Sommer 2020 produziert Havelmi*** Hafermilch in Ketzür (Potsdam-Mittelmark). Noch produziert das kleine Unternehmen in den Räumlichkeiten der Mosterei von Co-Vorstand Achim Fießinger. Aber der Platz reicht nicht mehr aus. Im Sommer will Havelmi*** deshalb in die Altstadt von Brandenburg/Havel umziehen, der Umbau des neuen Gebäudes läuft schon.
Gerade werden in der Mosterei noch 3500 Liter Hafermilch pro Woche produziert, am neuen Standort soll es 40-mal so viel werden. Deshalb sucht Havelmi*** Verstärkung für das siebenköpfige Team. „Wir sind hier alle Quereinsteiger und könnten einen Lebensmitteltechniker oder ein Molkereitechniker gut gebrauchen“, sagt Geschäftsführer Paavo Günther.
Havelmi*** produziert nicht nur Hafermilch, sondern seit kurzem auch Haferkakao.
Havelmi*** produziert nicht nur Hafermilch, sondern seit kurzem auch Haferkakao.
Wasser, Hafer, Salz und Öl sind die Grundzutaten für den Haferdrink. Die leichte Süße erhält das Getränk durch die Zugabe von Enzymen. Bei Havelmi*** kommen fast alle Zutaten aus der Region. „Wir versuchen Nachhaltigkeit auf allen Ebenen miteinzubeziehen“, sagt Paavo Günther. Die Haferflocken kommen aus der Schälmühle Vetschau (Oberspreewald-Lausitz), Salz aus der Sole in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark). Nur das Sonnenblumenöl kommt nicht aus Brandenburg. „Bisher haben wir kein lokales Öl gefunden, das für die Produktion geeignet ist. Aber immerhin ist es bio und kommt aus der EU“, sagt Günther.
„Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns in 20 Jahren Produkte wie Kuhmilch oder Fleisch aus ökologischen Gründen gar nicht mehr leisten können“, sagt Günther. Hafermilch sieht er als eine zukunftsweisende Alternative. Experten schätzen, dass bei der Gewinnung von einem Liter Haferdrink 80 Prozent weniger Kohlendioxid und andere Klimagase anfallen als bei einem Liter Kuhmilch.
Aber noch ist das tierische Produkt oft billiger. Der Liter Bio-Milch wird beim Discounter aktuell für unter einen Euro angeboten, ein Liter Havelmi*** kostet 2,79 Euro im Einkaufspreis. Günther hätte es gerne günstiger, aber noch ginge das nicht. Ein Grund dafür seien die durchgängige Kühlung der Hafermilch und das Pfandsystem der Glasflaschen
Die Haferflocken für die Herstellung kommen von einer Mühle aus dem Spreewald.
Die Haferflocken für die Herstellung kommen von einer Mühle aus dem Spreewald.
Havelmi*** ist eine Genossenschaft. „Wir wollen kein Privateigentum schaffen, deshalb haben wir uns dafür entschieden. Havelmi gehört uns allen“, sagt Paavo Günther. Mittlerweile sind 120 Einzelpersonen und Unternehmen Mitglied in der Genossenschaft, wie zum Beispiel die Regionalwert AG. Viele Genossenschaftler bringen sich nicht nur finanziell, sondern auch praktisch mit ein. Helfen zum Beispiel in der Produktion aus oder unterstützen das Marketing.
Alles in allem scheint der Haferdrink also ein ökologisches und soziales Vorzeigeprodukt zu sein. Nur für den Abfall der Produktion hat Paavo Günther noch keine perfekte Lösung gefunden. Der Haferbrei, der bei der Hafermilchherstellung entsteht, wird im Moment noch an Schweine verfüttert. Oder er landet in Günthers Müslischale. „Aber eigentlich wäre es am besten, wenn wir einen abenteuerlustigen Bäcker finden würden. Denn daraus kann man super Haferbrot backen.“ Text und Fotos: Lena Köpsell
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Tipps aus der Region

Honigbienen auf der Dominsel: Ein Besuch beim Imker
Erste Vorboten der Aquamediale in Dahme-Spreewald
Herrentag in Brandenburg: Was gilt wegen Corona zu Himmelfahrt?
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Raus in den Garten

Unser Gartentipp ist in dieser Woche ein Hinweis in eigener Sache. Und eine Einladung an Sie, liebe Leserinnen und Leser. Lassen Sie uns gemeinsam gärtnern!
Ja, Sie lesen richtig, die MAZ ist unter die Gärtner gegangen. Warum? Weil auch wir nicht am großen Trend-Thema dieser Pandemie vorbeikommen. Immer mehr Menschen bepflanzen, Garten, Balkon oder Fensterbank, züchten Blumen ebenso wie Obst und Gemüse.
Auf dem Potsdamer Redaktionsgelände haben wir zwei Hochbeete aufgebaut und wollen dort in den kommenden Monaten unser eigenes Obst und Gemüse anbauen. Tomaten und Gurken, Radieschen und Kohlrabi, Salat und Zucchini, der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt – allerdings unserer Erfahrung. Damit die Gartenlust also nicht im Frust endet, begleitet uns durch die kommenden Monate unsere Hochbeet-Patin Lisa Alf.
Und natürlich dokumentieren wir unsere Gärtner-Versuche. Auf unserer #MAZBeet-Themenseite finden Sie alles rund um unser Gartenprojekt - und dort halten wir Sie auch über alle weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden - unter anderem mit unserem Beet-Blog.
So viel sei verraten: Bisher läuft es durchwachsen. Den Beet-Aufbau werten wir als vollen Erfolg. Die Anzucht des ersten Gemüses an sich auch - wenn da nicht das Kohlrabi-Problem wäre.
Wir laden Sie, liebe Leser, herzlich ein, mit uns gemeinsam ins Garten-Abenteuer zu starten. Und ja, wir sind dankbar für jeden Tipp!
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Fundstück der Woche

#sportfamiliepotsdam LIVE - Intro
#sportfamiliepotsdam LIVE - Intro
Toni von Babelsberg 03 sieht eigentlich ganz entspannt aus, wenn er da so in der halben Hocke an der Wand lehnt und abwechselnd seine Knie hebt. Dass die kleine, aus dem Training des Fußballvereins abgeleitete Übung tatsächlich ganz schön in die Unterschenkel geht, merkt jeder, der es einmal selbst versucht. Dabei soll man die Bewegung ganze 50 Sekunden lang durchhalten - und danach noch sieben andere Übungen machen. Damit hätte man dann die erste von insgesamt fünf Runden geschafft.
“Tonis Workout” ist nur eines von vielen digitalen Angeboten der Potsdamer Sportvereine. Sie haben aus der Corona-Not eine Tugend gemacht und spornen nun mit unterschiedlich langen Clips unter dem Label “#sportfamiliepotsdamTV” ihre Vereinsmitglieder, aber auch alle anderen Interessierten zum Training zuhause an. Von Spielvorschlägen für Kinder mit Plüschtieren und einer Hindernisbahn aus Plastikbechern bis zu harten Trainingstipps des Kanuclubs Potsdam ist alles dabei.
Bleib Fit mit Babelsberg 03 - „Toni's Workout“
Bleib Fit mit Babelsberg 03 - „Toni's Workout“
Die Clips sind manchmal nur wenige Minuten lang, manchmal dauern sie eine gute Dreiviertelstunde. An Abwechslung fehlt es nicht. Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Geschick werden gleichermaßen angesprochen und das auf kleinstem Raum und mit nur wenigen Hilfsmitteln. Ganz neu sind die Beiträge nicht mehr. Die Vereine hatten mit ihren Videos vor allem auf den ersten, sehr strengen Lockdown im vergangenen Frühjahr reagiert. Dafür kam in den vergangenen Monaten aber eine umso größere Auswahl zusammen, die einem jetzt beim Corona-Endspurt gesundheitlich zugute kommt.
Dass die Übungen kein vollständiger Ersatz für das wirkliche Training im Verein oder im Studio sind, räumen die Akteure ein. Aber sie beugen tatsächlich dem Leistungsabbau vor. Nicht zuletzt helfen sie, bei Laune zu bleiben. Dafür sorgen auch die Protagonisten mit ihren saloppen Ansagen und Bemerkungen selbst.
Und noch ein Gutes: Wer einmal in der Spur von #sportfamiliepotsdamTV ist, stößt schnell auch auf andere Trainingsvorschläge ähnlicher Art und findet garantiert die passende Anregung für sich, um auf der letzten Etappe der Corona-Einschränkung nicht doch noch einzurosten. Die Sportvideos sind kostenlos, leicht zugänglich und gut verständlich. Und das Beste: Auch wenn es endlich wieder mit richtigem Sport losgehen kann, bleibt vielleicht die ein oder andere Übung hängen, die einem auch im normalen Training voranbringt.
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