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Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,   wir hören gerade aus Mallorca, dass dort die ersten deutsche
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Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
 
wir hören gerade aus Mallorca, dass dort die ersten deutschen Touristen gelandet sind. Gönnen wir ihnen. Doch die Balearen sind derzeit nicht unser Bier, ähm, unser Stil, denn die Inseln sind schön, doch die Mark Brandenburg liegt vor der Haustür. Wie eine Schatztruhe. Sie glänzt noch hübscher, wenn man bedenkt, dass man ohne Flugzeug hinkommt.
Fliegen ist ja im Moment kein großer Spaß, vielleicht leben wir jetzt eher im Jahr für eine Zeitreise. Wie sah das Leben in der Mark vor 100 Jahren aus? Wenn Beklommenheit über dem Land liegt, guckt man gerne auf die Ahnen. Wie ging es den Vorfahren, wie haben sie gelebt in Tagen, die nicht immer einfach waren? Das kulinarische Buch “Vom Kochen & Leben in Märkischen Gutshäusern” gibt darüber Auskunft, in diesem Newsletter stellen wir es vor. Es lehrt uns, dass solide bereitete Mahlzeiten immer eine gute Idee sind. Genuss ist keine Sache der Umstände, sondern der Kreativität.
Doch auch die Gegenwart möchte genossen werden, auch wenn das Wochenende immer wieder Regen bringt, behaupten jedenfalls die Wetterfrösche. Eigentlich die passende Zeit, um drinnen Fußball-EM zu gucken, die eigentlich in diesen Wochen laufen sollte. Läuft aber nicht. Es gibt ohnehin etwas Besseres, direkt aus Potsdam: Die Musikfestspiele Sanssouci fallen zwar irgendwie aus, aber letztlich nicht komplett.
Denn die Intendantin und Blockflötistin Dorothee Oberlinger spielt in der Regel zwar nach Noten, weiß aber auch, wie man improvisiert. Also hat sie ein (kleines) Programm aus Nähe und Distanz gezaubert, das an diesem Sonntag im Festspielabend der Alten Musik im Schlosstheater im Neuen Palais mündet. Ohne Publikum vor Ort. Doch live zu hören und zu sehen über einen Stream. Auch Johann Sebastian Bach steht auf dem Programm. Einen besseren Tröster gibt es nicht. Ja, wirklich, Bach wirkt hochprozentiger als jedes Bier auf den Balearen. Und wenn das bei Ihnen nicht so sein sollte, haben wir ja noch ein paar andere Wochenendtipps für Sie.

Viel Spaß beim Entdecken!
Herzliche Grüße
Ihr
Lars Grote
MAZ-Autor

Ausflug der Woche: Baruther Urstromtal

Im Unterdorf Paplitz ist der kleine Dorfteich eingezäunt. Foto: Gertraud Behrendt
Im Unterdorf Paplitz ist der kleine Dorfteich eingezäunt. Foto: Gertraud Behrendt
Der Urstromtalweg mit der Nummer 66 im Fläming-Walk-Netz  beginnt am Bahnhof Baruth - nicht mit den üblichen Fläming-Walk-Schildern, sondern mit einem gelben Punkt markiert und dem Versprechen, dass er nur 9,5 Kilometer lang ist. Bis zum Lenné-Park von 1838, vorbei am lädierten neueren Schloss und dem schmucken Wandelgang am sanierten Alten Schloss, dem sogenannten Frauenhaus, ist die Beschilderung bestens und der Weg idyllisch. Danach sind oft nur noch Bäume markiert.

Man wandert am sanierten Platz mit der Postmeilensäule und der Kirche St. Sebastian vorbei. Mehrere Tafeln informieren über die Stadtgeschichte, ergänzt von großen Fotos, wie dieser Standort früher aussah. Im Unterdorf von Paplitz gibt es Bilder an Bäumen und ein romantisches Dorfteichlein zu sehen, dann geht es vorbei an Gutsarbeiterhäusern über die Luckenwalder Straße mit dem Gasthaus an der Ecke zur romanischen Dorfkirche im Oberdorf.
 Ein Baum mit Bildern steht im Paplitzer Oberdorf. Foto: Gertraud Behrendt
Ein Baum mit Bildern steht im Paplitzer Oberdorf. Foto: Gertraud Behrendt
Ein Gedenkstein auf dem zentralen Platz im Unterdorf erinnert an den wohl nicht ganz freiwilligen Besuch von Königin Luise von Preußen. Bei ihrer Flucht vor den napoleonischen Truppen 1806 soll ein Rad ihrer Kutsche gebrochen sein und sie musste hier übernachten. Die Auswahl an Bänken für eine Verweilpause ist vielfältig – sonnig, schattig, einzeln, in Gruppen und von Efeu umrankt an einem kleinen Laden.

Von dort geht es weiter die Hauptstraße entlang, an der auch Wegweiser angebracht sind, bis zum Eichengrund, an dem auch Linden stehen, ehe der Wanderweg fast geradeaus in den Wald führt und die Straße nach rechts abzweigt. Dieser 2,2 Kilometer lange Abschnitt nach Baruth ist eine echte Entdeckung. Die uralten Alleebäume lassen einen spüren, wie klein der Mensch und das menschliche Maß sind.

Unterstrichen wird das malerische Bild von grasenden Kühen, dahinter überragen die Türme der gotischen Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert die Baumkronen. Links verläuft das Hammerfließ. In der Schulstraße angekommen geht es über die Hauptstraße durch den Schlosspark zurück zum Bahnhof. Der zweistündige Rundweg gehört sicher zu den schönsten im gesamten Kreis Teltow-Fläming. Gertraud Behrendt
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Radtour der Woche: Rund um den Beetzsee

Lars Sittig erkundet Brandenburg am liebsten im Fahrradsattel.
Lars Sittig erkundet Brandenburg am liebsten im Fahrradsattel.
Bereit für eine Tour der Gegensätze, für eine Extraportion Brandenburg? Dann auf zur nächsten Landpartie, die in dieser Woche zunächst durch Brandenburg an der Havel führt. Die Stadt ist im Zuge der Bundesgartenschau aufgeblüht wie Blumenrabatte in der Frühlingssonne und verbreitetet eine Menge Glanz: Viel Wasser, viel Grün, viel Historie, prächtige Bauten. Dann geht es weiter Richtung Beetzsee.

Wir lassen uns auf dem Storchenradweg durchs Land treiben, immer in der Nähe der eiszeitlichen Gewässerkette, die zum Naturpark Westhavelland gehört. Vorbei an wogendem Korn, Mohn- und Kornblumen, Holunderduft, Dorfkirchen, urwüchsigem Wald, und einer idyllischen FKK-Badestelle. Das Havelland ergießt sich beim Panoramablick vom Mühlenberg, dem mit 59 Metern höchsten Punkt der Tour, bis zum Horizont.
Foto: Lars Sittig
Foto: Lars Sittig
Die Highlights? In Brandenburg an der Havel gibt es eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten: Der Dom und mehrere imposante Kirchen können besucht werden, es gibt Parkanlagen, historische Tore, viel Grün und viel Wasser. Außerdem sollten Sie in Päwesin unbedingt in der Bäckerei Backwahn Halt machen, wo es Gebäck einer buddhistischen Klosterschule gibt. Auch die Bockwindmühle in Ketzür ist ein beeindruckendes Zeugnis der ländlichen Ingenieurs- und Handwerkskunst.
Bei der Auslage im Backwahn hat man die Qual der Wahl. Foto: Lars Sittig
Bei der Auslage im Backwahn hat man die Qual der Wahl. Foto: Lars Sittig
MAZ-Geheimtipp: Den herrlichen Apfelkuchen von Backwahn mit auf den Bagower Mühlenberg gleich um die Ecke nehmen, um ihn dort auf einem Picknicktisch mit herrlicher Aussicht zu genießen. 

Start und Ziel: Los geht es am Bahnhof in Brandenburg an der Havel, der von Potsdam oder Berlin mit der Regionalbahn direkt und schnell erreicht werden kann. Die Fahrtzeit von Potsdam-Medienstadt beträgt lediglich 19 Minuten.
Für eine detailliertere Ansicht von Etappe 1, klicken Sie bitte auf die Karte.
Für eine detailliertere Ansicht von Etappe 1, klicken Sie bitte auf die Karte.
Für eine detailliertere Ansicht von Etappe 2, klicken Sie bitte auf die Karte.
Für eine detailliertere Ansicht von Etappe 2, klicken Sie bitte auf die Karte.
Länge: Zur Auswahl stehen mehrere Tourvarianten, man kann also je nach Tagesform entscheiden - vom Shorttrack (34 km auf der offiziellen Route des Storchenradweges, Fahrtzeit gut zwei Stunden) bis zur MAZ-XXL-Version (53 km, rund vier Stunden). Die Tour ist, wenn man sich etwas mehr Zeit nimmt, auch für ältere Menschen und Kinder geeignet.

MAZ-Radtour von Brandenburg/Havel zum Beetzsee
MAZ-Radtour von Brandenburg/Havel zum Beetzsee
Korrektur: Im letzten Newsletter haben wir geschrieben, dass die Tour durch die Belziger Landschaftswiesen 8 Kilometer lang ist. Da ist uns wohl eine 1 verloren gegangen: Richtig ist natürlich 18 Kilometer. Bitte entschuldigen Sie den Fehler.
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Brandenburg für Genießer

Putlitz liegt in einem Teil der Prignitz, der besonders grün und lockend wirkt – wer sich auf Google Maps der Gegend nähert, wird leider nicht auf schöne Restaurants verwiesen, sondern auf eine Total-Tankstelle. Darum ist es gut, auf das Buch “Vom Kochen & Leben in märkischen Gutshäusern – zu Gast bei Familie Gans zu Putlitz” zurückzugreifen, das die Dinge gerade rückt.
Im Putlitzer Gutshaus kochte man um 1914 ein, um zu konservieren. Foto: Verlag
Im Putlitzer Gutshaus kochte man um 1914 ein, um zu konservieren. Foto: Verlag
Die Geschwister Gisa und Bernhard von Barsewisch sind Nachkommen der Familie Gans zu Putlitz und verbrachten einen prägenden Teil ihrer Kindheit auf dem Putlitzschen Gut Groß Pankow. Anhand von Kindheitserinnerungen und alten Aufzeichnungen der Familie zeichnen sie in diesem Buch ein realistisches Bild vom Leben des Brandenburger Landadels. Geschichten und alte Familienrezepte illustrieren den Lesern das gemeinschaftliche Zusammenleben von Gutshausbesitzern und Angestellten und geben einen Einblick in die Küche der damaligen Zeit. So erschließt sich eine Facette von Brandenburg, die 100 Jahre alt ist, und trotzdem duften die Töpfe, als stünden sie gerade frisch auf dem Herd.

Gisa und Bernhard von Barsewisch: Vom Kochen & Leben in märkischen Gutshäusern. L+H Verlag, 200 Seiten, 19,80 Euro.
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Wohin am Wochenende?

Normalerweise spielen am 21. Juni traditionell jede Menge Bands in Brandenburg und Berlin - umsonst und draußen feiern sie den Sommeranfang bei der jährlichen Fête de la Musique. In diesem Jahr ruft der Kulturtänzer e.V. stattdessen Musiker dazu auf, die eigene Musik per Stream in die Welt zu senden. Ein Open-Air-Konzert gibt es aber trotzdem: Vor dem Waschhaus in Potsdam schlägt der Verein sein Freiluft-Wohnzimmer auf und lädt verschiedene lokale Singer-Songwriter zum Konzert.
Unter anderem kann man sich mit den Folk-Pop-Songs von Adam Wendler musikalisch direkt nach Kanada katapultieren lassen oder um 18.45 Uhr Eric Zobel und seiner Gitarre lauschen (einen Vorgeschmack auf Zobels Live-Qualitäten gibt es hier). Das ganze Programm für Sonntag gibt es unter fete-potsdam.de. Achtung, Maske nicht vergessen - das Tragen ist am Einlass, am Bierwagen und auf den Toiletten verpflichtend.
Auch Wittstock veranstaltet übrigens eine Fête: Etwa 15 verschiedene Formationen werden an bisher sieben Orten in der Altstadt zu erleben sein. Sie präsentieren alle Genres wie Jazz, Rock und Folk. Zuletzt war die Liste der Orte noch um das Lokal „Freiraum“ und den Buchladen „Bücherquelle“ erweitert worden.
Acht Meter hoch ist Gregor Hildebrandts Schallplattenturm in der Skulpturen-Ausstellung im Schlosspark Schwante. Foto: Enrico Kugler
Acht Meter hoch ist Gregor Hildebrandts Schallplattenturm in der Skulpturen-Ausstellung im Schlosspark Schwante. Foto: Enrico Kugler
Es ist ein neuer Hotspot für zeitgenössische Kunst, der in den vergangenen Wochen im Norden Brandenburgs entstanden ist. Im Park des Schlossgutes in Schwante (Oberhavel) stehen seit Kurzem wundersame Gestalten: Steinblöcke, Metallfiguren, tönerne Urnen, gläserne Wände haben sich zwischen den Bäumen angesiedelt. Gefertigt wurden sie von 20 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt: Ai Weiwei, Martin Creed, Toshihiko Mitsuya, Monika Sosnowska oder Yehudit Sasportas. Am Freitag wird die Freilichtschau „Skulptur und Natur“ eröffnet, danach ist der Park ist bis zum 30. Oktober jeweils Freitag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Eintritt: 10 Euro.
Die Legende von Paul und Paula - DEFA-Trailer
Die Legende von Paul und Paula - DEFA-Trailer
Das Schlossgut Altlandsberg (Märkisch Oderland) lädt zum Sommerkino: An den Pferdeställen im Domänenhof ist Platz für rund 50 Autostellplätze. Von Donnerstag bis Samstag wird immer ein Film präsentiert, vom 18. bis 20. Juni ist es der DDR-Kassenschlager “Die Legende von Paul und Paula”. Zum Mittsommer ist die Romanverfilmung “Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão” geplant (25. bis 27. Juni), in den Folgewochen “100 Dinge” mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz, das Drama “Lara” mit Cornelia Harfouch und das isländische Porträt einer kämpferischen Bäuerin in “Milchkrieg in Dalsmynni”. Einlass ist immer ab 21.15 Uhr, nach Sonnenuntergang geht es los. Die Autostellplätze können nur vorab gebucht werden, Tickets und Platzreservierungen gibt es in der Stadtinformation Altlandsberg oder online unter www.schlossgut-altlandsberg.de.
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Tipps aus der Region

Trotz Corona: Kammeroper Rheinsberg macht 2020 einen Musiksommer
Wohlfühlmomente am Dollgower See
Wellnessangebote in der Prignitz starten wieder
Im Farbrausch mit Katharina Grosse
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... und raus aus Brandenburg

Mit dem stinkenden Bulli zum Wildcampen - heute träumen davon wieder viele. Foto:dpa
Mit dem stinkenden Bulli zum Wildcampen - heute träumen davon wieder viele. Foto:dpa
Das eigene Auto als „Freiheitsmaschine“ schien längst abgeschrieben. Doch nun in der Corona-Krise erblüht der Mythos vom Roadtrip wieder, den die Hippies prägten. Sie flüchteten nicht mit dem Fahrrad, sondern im Bulli. In Autos konnte man sanktionsfrei knutschen, verborgen vom Blech, auf das man damals Sonnenblumen malte. Heute kann man damit virenfrei ans Meer düsen oder Kinofilme schauen, Freizeitträume, die zwischenzeitlich undenkbar schienen. Wie das ins Zeitalter von Greta Thunberg passt, in dem wir gerade leben? Ein paar Gedanken zur neuen Autosehnsucht habe ich hier aufgeschrieben.
Die Mittsommer-Remise ist eines der schönsten Feste in Norddeutschland.
Die Mittsommer-Remise ist eines der schönsten Feste in Norddeutschland.
Der Begriff Mittsommer bezeichnet die Zeit der Sommersonnenwende, wenn wir den längsten Tag und die kürzeste Nacht erleben. Besonders in den skandinavischen Ländern wird der kalendarische Sommeranfang am 21. Juni ausgiebig gefeiert, denn hier wird es zu dieser Zeit kaum dunkel. In Schweden ist Mittsommer nach Weihnachten das wichtigste Fest, es wird viel gegessen, getrunken, gesungen und getanzt. In Mecklenburg-Vorpommern ist das Fest Anlass für die “Mittsommer-Remise”: Samstags öffnen Schlösser, Guts- und Herrenhäuser in Mecklenburg ihre Türen für interessierte Besucher, am Sonntag folgen Häuser in Vorpommern - größtenteils private Häuser, die nur selten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es darf hinter die Fassaden geschaut werden, es gibt klassische Konzerte und Wein am Lagerfeuer.
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Fundstück der Woche

Viel Wasser, idyllische Ecken und spannende Menschen - das ist Brandenburg an der Havel. Sabrina Jung und Anne-Luise Riedel-Krekeler zeigen auf ihrem Blog “Smallworld Brandenburg” und dem gleichnamigen Instagram-Profil ihre “kleine Brandenburger Welt”. Künstler kommen ebenso zu Wort wie Betreiber schnuckeliger Läden und Rückkehrer, die nach Jahren wieder ihren Lebensmittelpunkt wieder in die Havelstadt verlegt haben. Stöbern Sie doch mal! Stephanie Philipp
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