Ab nach Bad Saarow++Mit dem Rad zu den Sperenberger Gipsbrüchen++Bayrische Spezialitäten

#66・
MAZ Raus aufs Land
107

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MAZ Raus aufs LandMAZ Raus aufs Land

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
mir reicht es jetzt, ich schalte ab sofort in den Herbst-Modus. Der Sommer schwächelt seit Wochen und will nun schon einen Monat vor dem offiziellen Wechsel zum Herbst offenbar ganz die Arbeit einstellen. Weniger als 20 Grad im August? Ich ziehe Konsequenzen.
Die Sommer-Klamotten tauschen den hinteren Platz im Kleiderschrank mit Pullis und dicken Socken, die Tee-Vorräte werden aufgefüllt, ich suche bereits Rezepte für weitere herbstliche Lieblingsheißgetränke raus und die kuschelige Lieblingsdecke zieht aufs Sofa. Wenn die Sonne es dann doch mal gut meint und eine halbe Stunde für einen Kaffee auf Balkonien erübrigen kann - wunderbar. Wenn nicht, bin ich aber ausgerüstet.
Und ganz ehrlich? Angesichts der ersten Weihnachtsartikel (!) im Supermarkt finde ich mich gar nicht so sehr früh dran. Wenn die Spekulatius-Zeit beginnt (nein, die erste Packung des Jahres ist noch nicht gekauft), dann darf ich auch in hyggeliger Atmosphäre zum Tee greifen.
Wie auch immer, nun ist also Herbst. Toll! Verlasse ich deshalb das Haus nicht mehr? Aber nein! Das wäre ja noch schöner, wenn ich wegen des schwächelnden Sommers auf Touren durchs Land verzichten würde. Denn dafür gibt es auch in dieser Ausgabe “Raus aufs Land” wieder reichlich Inspiration.
Wie zum Beispiel der Ausflug der Woche nach Bad Saarow. Dort können Sie einen ausgedehnten Spaziergang am wunderschönen Scharmützelsee mit diversen anderen Aktivitäten verbinden. Dampferfahrt, Thermenbesuch, Badespaß im Strandbad (falls der Sommer es doch noch mal einrichten kann oder Ihnen kühleres Wetter nichts ausmacht), Tretboot-Tour, Stop im Café - alles ist möglich in dem Kurort im Landkreis Oder-Spree.
Alternativ - und wenn es mehr Natur sein darf - können Sie mit unserem Rad-Experten Lars Sittig in Teltow-Fläming auf Tour zu den Sperenberger Gipsbrüchen gehen. Der Rundkurs ist 48 Kilometer lang, für die sich der Spätsommer/Frühherbst hervorragend eignet - und hinter gibt es eines der Lieblingsheißgetränke für den Herbst.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche - bis zur nächsten Ausgabe von “Raus aufs Land”.
Ihre
Stephanie Philipp
Leiterin Audience & Content Development
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Ausflug der Woche: Herrlicher Scharmützelsee

Die Promenade verläuft direkt am Scharmützelsee. Foto: Schöning/Imago
Die Promenade verläuft direkt am Scharmützelsee. Foto: Schöning/Imago
In dieser Woche laden wir Sie ein zu einem Kuraufenthalt, liebe Leserinnen und Leser. Zumindest bietet unser Ausflugsziel ziemlich gute Voraussetzungen dafür. Es geht nach Bad Saarow im Landkreis Oder-Spree und dort direkt an den Scharmützelsee. Er ist nach dem Schwielochsee der zweitgrößte natürliche See Brandenburgs - und lohnt einen Ausflug, so viel können wir Ihnen versprechen.
Unsere Tour - sie ist acht Kilometer lang und bietet jede Menge Möglichkeiten für Pausen oder zusätzliche Programmpunkte - startet ganz umweltfreundlich und entspannt mit einer Anreise per Bahn. Aus Richtung Potsdam oder Berlin nehmen sie den Regionalexpress 1 bis nach Fürstenwalde (Spree) und steigen dort in die RB 35 der Niederbarnimer Eisenbahn um. Zwölf Minuten später ist das Ziel und damit der Start- und Zielpunkt unserer heutigen Tour erreicht, die vielleicht eher ausgedehnter Spaziergang als anspruchsvolle Wanderung über Stock und Stein ist.
Unsere Tour beginnt und endet am Bahnhof Bad Saarow. Foto: Ritter/Imago
Unsere Tour beginnt und endet am Bahnhof Bad Saarow. Foto: Ritter/Imago
Bereits das unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude samt Vorplatz macht mit Springbrunnen und gepflegter Bepflanzung einiges her. Wir überqueren den Bahnhofsvorplatz, der auf der anderen Seite des Brunnens in die Ulmenstraße mündet. Dort nehmen wir die zweite Abbiegung nach links und dann direkt wieder rechts auf eine Promenade, wo Cafés, Restaurants und kleine Läden warten. Ganz in der Nähe ist übrigens auch die Therme.
Wir setzen unseren Weg fort - rechts und links sind tolle Villen zu bestaunen - und kehren schließlich auf die Ulmenstraße zurück, der wir folgen, bis nach rechts die Lindenstraße abgeht. Hier halten wir uns links und nehmen den Fußweg in Richtung Wasserturm, der heute eine Unterkunft ist für Touristen und alle, die schon immer mal Wasserturm-Bewohner sein wollten.
Quer durch den Kurpark spazieren wir weiter bis zum traumhaften Scharmützelsee. In Bad Saarow ist man auf wandernde Besucher wie uns hervorragend eingestellt. Direkt am See - das Schilf ist greifbar - verläuft eine Promenade, auf die wir nach rechts einbiegen. Ab jetzt geht es immer geradeaus - meistens jedenfalls.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zum Tourenanbieter Komoot.
Per Klick auf die Karte geht es direkt zum Tourenanbieter Komoot.
Einen kleinen Umweg müssen wir fürs Strandbad machen - optional bieten sich hier auch eine Pause mit Sprung ins Wasser sowie eine Stärkung an. Weiter geht es anschließend die Schwanenwiese entlang zur Dampfer-Anlegestelle. Bis Anfang September starten dort fünfmal täglich meist zweistündige Rundfahrten auf dem Scharmützelsee, bis Anfang Oktober immerhin noch viermal.
Und falls Sie entweder keine Lust auf Dampfer haben oder aber kein Ticket mehr ergattern: Keine Sorge, unsere Tour führt uns wenige Meter nach der Anlegestelle an einem Tretboot-Verleih vorbei - schon probiert? Tretbootfahren macht Spaß und schaukelt gar nicht so sehr, wie Sie vielleicht denken.
Ansonsten geht es einfach auf der Promenade weiter in Richtung Fontane-Literaturpark, wo auch das “Fernrohr für das Nichts” wartet. (Neugierig? Dann nichts wie ab nach Bad Saarow!)
Bänke laden überall an der Promenade zum Verweilen ein. Foto: Ritter/Imago
Bänke laden überall an der Promenade zum Verweilen ein. Foto: Ritter/Imago
Die Promenade führt uns nun kurz ein paar Meter weg vom See, wir lassen uns davon aber nicht beirren und gehen weiter. Denn: Es warten noch der Kleistpark und die Badestelle am Ostufer des Scharmützelsees. Auf dem Weg könnten Sie sich schon mal eine Ferienunterkunft für einen längeren Aufenthalt an diesem herrlichen Gewässer aussuchen - oder den nächsten Tagesausflug planen.
Und falls Sie in Sorge sind, dass Ihnen auf dem Hinweg etwas entgangen ist oder Sie doch noch mit einer Tretboot-Fahrt liebäugeln, können sie ganz beruhigt sein. Der See ist mit bis zu zehn Kilomtern länge und anderthalb Kilometern Breite etwas groß, um ihn einmal komplett zu umwandern, deshalb treten wir nach dem zweiten Badestopp den Rückweg an. Langweilig, denken Sie? Überhaupt nicht, kann ich versichern. Je später der Tag, desto tiefer die Sonne - und der See sieht schon wieder ganz anders aus.
Tipp: In dieser Woche kommen Sie sicher auch so ans Ziel, aber für alle Komoot-Liebhaber gibt es hier die Daten zur Tour.
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Radtour der Woche: Aus Zossen zu den Sperenberger Gipsbrüchen

Eine bergige, verwucherte Erlebnislandschaft, in der ein Weltrekord aufgestellt wurde, idyllische frühere Tongruben, eine uralte Wasserstraße und exzellente Bademöglichkeiten – die MAZ-Landpartie zu den Sperenberger Gipsbrüchen im Landkreis Teltow-Fläming führt zu ganz besonderen Orten.
Nur wenige Meter entfernt vom Bahnhof Zossen, dem Start- und Zielort der 48 Kilometer langen Rundtour, wartet mit dem Nottekanal, der Radfahrer mit seiner üppigen Vegetation bis zum Mellensee begleitet, ein Biotop mit einer interessanten Geschichte. Das Nottefließ war die erste längere, von Menschen schiffbar gemachte Wasserstraße der Mark Brandenburg.
Idylle pur: Die Sperenberger Gipsbrüche. Foto: Lars Sittig
Idylle pur: Die Sperenberger Gipsbrüche. Foto: Lars Sittig
Der Mellensee gehört mit seinem Freibad und der Badestelle zu den vielen guten Gelegenheit, um sich auf der Tour zu erfrischen. Nach den wild verwucherten Klausdorfer Tongruben gleich nebenan steht mit den Sperenberger Gipsbrüchen das Highlight der Tour auf dem Programm: In der bergigen Seen-Landschaft mit Kalkformationen, die zu einem Refugium für viele Tierarten geworden ist, wurde geologische Weltgeschichte geschrieben: 1871 erreichte man bei einer Tiefenbohrung 1271 Meter. Es war die erste Bohrung der Welt über 1000 Meter und dieser Rekord hielt 15 Jahre.
Über einen schönen Badesee vor Rehagen und das Kloster St. Gertrud in Alexanderdorf geht es in den weiten Norden des Landkreises. Mit den Gadsdorfer Torfstichen und dem Kiessee Horstwalde gibt es zwei weitere sehenswerte Orte, bevor die Tour am Bahnhof Zossen endet.
Badestopp an der Klausdorfer Festwiese. Foto: Lars Sittig
Badestopp an der Klausdorfer Festwiese. Foto: Lars Sittig
Die Route im Schnellcheck:
Die Strecke: Die MAZ-Landpartie führt vom Bahnhof Zossen auf einem sehr gut ausgebauten Radweg am Nottekanal nach Mellensee und weiter nach Klausdorf. Der Weg an den Klausdorfer Tongruben ist stellenweise etwas sandig, es handelt sich aber lediglich um ein kurzes Teilstück.
Nach Sperenberg führt eine Landstraße und zum Eingang der Gipsbrüche eine Kopfsteinpflasterstraße. Von Sperenberg nach Rehagen und Kummersdorf-Alexanderdorf können straßenbegleitende Radwege befahren werden, dann geht es auf Plattenwegen weiter zum Kloster St. Gertrud sowie Saalow und Gadsdorf. Nach Schünow führt eine alte Landstraße, die etwas holprig ist, aber ihren Zweck erfüllt.
Teil 1 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
Teil 1 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
Wer die Gadsdorfer Torfstiche - Erdelöcher, die nach der Rohstoffgewinnung voll Wasser gelaufen sind - besuchen möchte, kann hinter Gadsdorf links abbiegen (der Weg ist aber sehr sandig und steigt am Höllenberg ordentlich an). Es gibt im Ort auch einen Abzweig zu den Stichen, der besser befahrbar ist.
Von Schünow nach Horstfelde führen ein Stück alte Teerstraße und ein Feld- und Waldweg, der an der Rückseite des Kiessees vorbei führt. Alternativ kann die Tour etwas verkürzt und die Landstraße von Schünow genutzt werden. Der Schlussabschnitt nach Nächst Neuendorf verläuft auf einem straßenbegleitenden Radweg.
Teil 2 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
Teil 2 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
Sehenswürdigkeiten: Die Landpartie führt durch mehrere beeindruckende Biotope, die durch den Abbau von Bodenschätzen entstanden sind. Die Klausdorfer Tongruben, der Gadsdorfer Torfstich und die Gipsbrüche Sperenberg sind inzwischen ganz besondere Geotope und ein Refugium für viele Tierarten. Der zwölf Kilometer lange Boden-Geo-Pfad, ein Rundweg zwischen Klausdorf und Sperenberg, bietet tiefe Einblicke in die Geschichte des Bergbaus in der Region.
Teil 3 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
Teil 3 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
In den Gipsbrüchen wurde geologische Weltgeschichte geschrieben: Von 1867 bis 1871 wurde hier in die Tiefe gebohrt - am 15. September 1871 erreichte man 1271 Meter. In dem Bohrloch wurde die geothermische Tiefenstufe ermittelt. Der so erstmals präzise gemessene Wert der Temperaturzunahme betrug drei Grad pro 100 Meter und ist heute noch gültig.
Lesen Sie auch: Sperenberg, Kummersdorf, Altes Lager, Wünsdorf - Die ehemaligen Militärflächen südlich von Berlin
In Zossen gibt es unter anderem einen schönen Stadtpark in der Nähe des Bahnhofes. Der Nottekanal ist nicht nur ein idyllisches Gewässer, sondern verfügt auch über einen interessanten historischen Hintergrund: Das Nottefließ war die erste längere, von Menschen schiffbar gemachte Wasserstraße der Mark Brandenburg. Der Ausbau mit Schleusen wurde bereits im 16. Jahrhundert vorgenommen. Einer der Gründe für den Kanalbau: Der Transport des geförderten Gipses aus Sperenberg.
Teil 4 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
Teil 4 der Landpartie - per Klick auf die Karte geht es zu Google Maps.
Es gibt auf der Tour viele schöne Kirchen, beispielsweise die prächtigen Gotteshäuser in Sperenberg und Zossen (eine barocke Querkirche). Das Benediktinerinnen-Kloster St. Gertrud in Alexanderdorf kann ebenfalls besucht werden - dort werden Führungen durch den Kräutergarten und Kurse angeboten.
Bei einem etwas längeren Aufenthalt gibt es außerdem diverse Freizeitmöglichkeiten: Zwischen den Bahnhöfen Zossen und Mellensee verläuft eine Draisinenstrecke, an der früheren Bahnstation kann auch Minigolf gespielt werden. Auf dem Kiessee in Horstfelde kann Wasserski gefahren und außerdem im Strandbad verweilt werden.
MAZ-Tipp: So viel Zeit wie möglich nehmen, eventuell ein Wochenende in der Region verbringen und beispielsweise auf dem Geopfad durch die Sperenberger Gipsbrüche und die Klausdorfer Tongruben wandern.
Eine ausführliche Beschreibung der Tour können Sie hier nachlesen. Die Strecke zum Nachfahren finden Sie auf unserem Komoot-Profil.
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Brandenburg für Genießer

Kellner Rene Schmidt serviert im Augustiner bayrische Spezialitäten. Foto: Varvara Smirnova
Kellner Rene Schmidt serviert im Augustiner bayrische Spezialitäten. Foto: Varvara Smirnova
Die kulinarische Landschaft in Brandenburg ist abwechslungsreich und hält für jeden Geschmack etwas bereit. In Potsdam geht MAZ-Restauranttesterin Manuela Blisse regelmäßig auf Entdeckungstour. Nach dem Lockdown hat sie inzwischen ihre kulinarischen Streifzüge wieder aufgenommen.
Zuletzt war sie Gast im Augustiner in der Potsdamer Innenstadt, genauer im Holländerviertel. In rustikalem Ambiente kommt dort genau das auf den Tisch, was vermutlich auch Sie mit bayrischer Küche verbinden, liebe Leserinnen und Leser: Von Käsekrainer und Nürnberger Rostbratwürstchen über bayerischen Wurstsalat und eine Brotzeitplatte bis hin zum Schweinekrustenbraten und in Dunkelbier gekochtem Rindersaftgulasch mit Serviettenknödel.
Allerdings: Auch hiesige Klassiker sind mit gebratener Blutwurst, Brandenburger Kartoffelsuppe, Currywurst und Berliner Leber vertreten.
Schweinebraten mit Knödeln. Foto: Varvara Smirnova
Schweinebraten mit Knödeln. Foto: Varvara Smirnova
Und wie schmecken sie nun, die bajuwarischen Exportschlager? Manuela Blisse verteilt die Note “Ordentlich” und empfiehlt das Augustiner “für einen Ausflug nach Bayern ohne lange Anreise”. Übrigens auch wegen des schnellen und freundlichen Servicepersonals, das - natürlich - in Dirndl und Leserhosen unterwegs ist.
Und? Neugierig geworden? Hier gibt es die ausführliche Restaurantkritik zum Augustiner. Und wenn Sie wissen wollen, welche Lokale in Potsdam und Umgebund Manuela Blisse sonst noch unter die Lupe genommen hat, geht es hier zum großen Überblick.
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Tipps aus der Region

Drei Thriller-Profis wollen im Rathenower Optikpark für Nervenkitzel sorgen
Pritzwalk: Herbstleuchten taucht Innenstadt am in bunte Lichter
Vielseitige Ausstellungen in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming
Wittstock: Großes Stadtfest am 28. und 29. August
Salonkonzert in der Villa Weigert in Birkenwerder
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Raus in den Garten

 Die Phacelia ist erst hübscher Schmuck des kahl werdenden Gemüsebeetes und wird dann zur Düngung genutzt. Foto: Jens Büttner/dpa
Die Phacelia ist erst hübscher Schmuck des kahl werdenden Gemüsebeetes und wird dann zur Düngung genutzt. Foto: Jens Büttner/dpa
Die Gartensaison ist fast vorbei, der Boden im Gemüsebeet hat einiges mitgemacht. Tomaten, Kartoffeln, Gurken und vieles mehr haben ihn ausgezehrt. Geht es uns Menschen so, machen wir eine Vitamin-Kur. Das Gemüsebeet indes freut sich über eine Gründüngung.
Die Methode stammt aus der Landwirtschaft. Dort setzt man auf den nach dem Sommer kahlen Feldern Pflanzen mit besonderer Wirkung als Dünger ein. Sie geben dem Boden Nährstoffe zurück und versorgen ihn damit so gut, dass andere Pflanzen im nächsten Jahr darauf besser gedeihen. Das lässt sich auch mit den Gartenbeeten machen.
Für die Gründüngung eignen sich zum Beispiel Klee, Senf, Ölrettich, Phacelia, Wicken, Felderbsen und Lupinen, die erst ausgesät und angezogen werden. Sie wirken schon während ihres Wachstums: Ihre Wurzeln lockern den Boden auf und sie schützen ihn etwa vor Verkrustung und Erosion. Nebenbei wird damit Wildbienen und anderen nützlichen Insekten etwas angeboten.
Eine Hummel landet auf blühender Phacelia. Die Pflanze wird auch Bienenfreund oder Bienenweide genannt und zieht viele Insekten an. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Eine Hummel landet auf blühender Phacelia. Die Pflanze wird auch Bienenfreund oder Bienenweide genannt und zieht viele Insekten an. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Pflanzen werden in der Regel schon kurz nach der Blüte, bei der Phacelia schon während der Blüte, abgemäht oder niedergewalzt - daher auch der Name Gründüngung. Eventuell ist es nötig, sie zu zerkleinern - etwa die dicken Stängel von Sonnenblumen, die ebenfalls nach ihrer Blüte als Gründünger im Beet bleiben können.
Diese grünen Reste werden erst mal wie Mulch auf dem Boden verteilt. Im restlichen Verlauf des Jahres werden sie dann flach in den Boden eingearbeitet. Damit setzt die zweite Wirkung dieser Düngemethode ein: Der Boden wird durch das Einarbeiten mit den Nährstoffen in den Pflanzenresten und mit Humus angereichert, da die Grünmasse verrottet.
Phacelia lässt sich sowohl auf leichten als auch auf schweren Böden einsetzen. Wichtig: Auch bei der Gründüngung muss auf die Fruchtfolge geachtet werden. Senf sollte zum Beispiel erst nach vier bis sechs Jahren auf Radieschen oder Kohl folgen. 
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Fundstück der Woche

Zu den hochgestellten Damen, die Margrit Schulze in dem Buch beschreibt, gehört auch Erbprinzessin Philippine Charlotte. Das Gemälde von Carlo Francesco Rusca entstand etwa 1734. Foto: Heidrun Voigt
Zu den hochgestellten Damen, die Margrit Schulze in dem Buch beschreibt, gehört auch Erbprinzessin Philippine Charlotte. Das Gemälde von Carlo Francesco Rusca entstand etwa 1734. Foto: Heidrun Voigt
Als preußischer König kam der passionierte Jäger Friedrich Wilhelm I. ab 1713 jedes Jahr mit Gemahlin Sophie Dorothea und den Kindern zur „Herbstlust“ nach Wusterhausen, heute Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald. Er hielt dort sein berühmtes Tabakskollegium ab, begann mit der Aufstellung seiner Leibgarde, den „Langen Kerls“, befehligte von Wusterhausen aus sein Regiment, schrieb von dort aus Geschichte – und er malte dort.
Nun ist ein Buch mit dem Titel „Was uns bunte Röcke sagen – Neue Blicke auf den Bilderreichtum im Schloss Königs Wusterhausen“ erschienen. Die Autoren sind Schlossleiterin Margrit Schulze und Jürgen Kloosterhuis, von 1996 bis 2017 Direktor des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz.
Erschienen ist das Buch im Berliner Verlag Duncker & Humblot. Foto: Verlag
Erschienen ist das Buch im Berliner Verlag Duncker & Humblot. Foto: Verlag
Neben den künstlerischen Versuchen des Königs stehen vor allem Porträts von Kur-, Kron- und anderen Prinzen, Hofdamen und Offizieren, Szenen aus der Jagd, die Abbildung des Häuserbaus in der Berliner Friedrichstadt und das Tabakskollegium bei den Beschreibungen der promovierten Kunsthistorikerin sowie des Archivars und Historikers im Mittelpunkt.
Das Buch gibt übersichtlich und facettenreich Einblicke in den Bilderreichtum des Renaissancebaus in Königs Wusterhausen und in die geschichtlichen Hintergründe. Es ist wissenschaftlich fundiert und gut lesbar.
„Von allen Geschichten, die Schloss Königs Wusterhausen von Preußen und Friedrich Wilhelm I. erzählt, sind die Bildgeschichten am besten zu begreifen“, sind sich Margrit Schulze und Jürgen Kloosterhuis einig. Heidrun Voigt
Margrit Schulze, Jürgen Kloosterhios: “Was uns bunte Röcke sagen” - Neue Blicke auf den Bilderreichtum im Schluss Königs Wusterhausen, Duncker & Humblot, 24,90 Euro.
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